08621 4003 alz-apo@t-online.de

News

WHO testet 4 Covid-19-Therapien

SOLIDARITY-Studie läuft an

Bei der Suche nach einer wirksamen Arznei gegen Covid-19 geht es voran: Die WHO hat eine weltweite Studie initiiert, bei der 4 Medikamente bzw. Medikamentenkombinationen getestet werden.

Einfache Studie soll schnelle Ergebnisse bringen

SOLIDARITY heißt die global angelegte Untersuchung der WHO. Die Studie ist bewusst einfach gehalten. Zum einen, um möglichst schnell zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen, zum anderen, damit auch die von der Epidemie überlasteten Krankenhäuser teilnehmen können.

Das Prozedere ist wie folgt: Hat sich die Diagnose Covid-19 bestätigt und der Patient sein Einverständnis zur Teilnahme an der Studie erklärt, gibt der Arzt die Daten auf einer Website der WHO ein. Außerdem gibt er an, welche der unten genannten vier Therapieoption in seinem Krankenhaus zur Verfügung stehen. Eine davon wird dem Patienten dann per Zufall (randomisiert) von der Website zugeteilt. Danach sind keine Messungen mehr erforderlich. Der Arzt meldet lediglich, wann der Patient entlassen wurde oder ob er verstorben ist, und ob bei ihm eine Sauerstofftherapie oder eine Beatmung durchgeführt worden ist.

Potenziell wirksam, sicher und verfügbar

Die 4 Therapieoptionen, die die WHO prüfen lässt, wurden von einem Gremium aus internationalen Wissenschaftlern ausgesucht. Kriterien zur Auswahl der Substanzen waren die potenzielle Wirksamkeit, bereits vorhandene Daten zur Sicherheit und eine ausreichende Verfügbarkeit. Dabei handelt es sich um folgende Medikamente:

  • Lopinavir und Ritonavir. Diese antiviralen Medikamente gehören zu den Protease-Inhibitoren und stehen seit 2001 zur Behandlung von HIV-Infektionen zur Verfügung. Sie wirken, indem sie Enzyme von Viren (sogenannte Proteasen) hemmen und wurden schon bei der SARS-Pandemie 2002 erfolgreich eingesetzt. In einer kleinen chinesischen Studie erwies sich die Kombi bei Covid-19-PAtienten jedoch als wirkungslos, womöglich waren die Patienten schon zu schwer erkrankt. Die WHO hofft, dass Lopinavir/Ritonavir in früheren Stadien der Erkrankung durchaus eine Wirksamkeit zeigen.
  • Lopinavir und Ritonavir plus Interferon-Beta. Bei dieser Dreierkombi wurde den beiden Protease-Inhibitoren das ebenfalls antiviral wirkende Interferon-Beta zur Seite gestellt. Die Kombination war bisher bei saudiarabischen Patienten, die mit dem MERS-Coronavirus infiziert waren, erfolgreich. In mehreren Studien führte sie zu einem Absinken der Viruslast, d.h. zu einem Absinken der Viruskonzentration im Blut. Die WHO hofft auf einen ähnlichen Effekt bei Patienten, die mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert sind.
  • Remdesivir. Dieser antivirale Wirkstoff wurde gegen Ebola entwickelt, erwies sich dort jedoch als unwirksam. In Zellkulturen hindert Remdesivir die Coronaviren SARS-CoV und MERS-CoV daran, menschliche Zelllinien zu infizieren. In Einzelfällen soll Remdesivir auch bei Covid-19-Patienten erfolgreich gewesen sein. Für die WHO ist Remdesivir deshalb der vielversprechendste Kandidat zur Behandlung von Covid-19.
  • Chloroquin. Auch das Malariamedikament Chloroquin verhindert in Zellkulturen, dass SARS-CoV menschliche Zellen infiziert. Dies erfordert jedoch sehr hohe Dosierungen, weshalb bei einem Einsatz mit dem vermehrten Auftreten der für das Medikament typischen Nebenwirkungen wie Sehstörungen, schweren Blutbildveränderungen, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen gerechnet werden muss. Die WHO hat Chloroquin in SOLIDARITY aufgenommen, weil es verschiedenen Berichten zufolge die Viruslast bei einzelnen Covid-19-Patienten reduzieren konnte. Ob sich das auf die Sterberate auswirkt, ist jedoch noch unklar.

Dynamisches Design

Getestet werden bei der Studie tausende Patienten in zahlreichen Ländern. Wann die ersten Ergebnisse kommuniziert werden, ist noch unklar. Das Design der Studie ist dynamisch: Ein globales Überwachungsgremium prüft in regelmäßigen Abständen die Zwischenergebnisse und entscheidet, ob ein Arzneistoff eine Wirkung hat oder nicht. Zudem können im Verlauf andere, potenziell wirksam Medikamente aufgenommen und getestet werden.

Quellen: Ärzteblatt, WHO

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:pogonici/Shutterstock.com

Bin ich infiziert?

Wann ein Test auf SARS-CoV-2 sinnvoll ist

Erkältung, Grippe oder doch COVID-19? Wer aktuell von Erkältungssymptomen geplagt ist, fragt sich womöglich, ob er nun auch von dem neuen Coronavirus infiziert wurde. Der Wunsch, dann einen Test zu machen und Gewissheit zu haben, ist nachvollziehbar - aber nicht unbedingt sinnvoll.

Die Testkapazitäten sind begrenzt

Trockener Husten, Unwohlsein und Fieber – bei vielen Menschen löst das im Moment den Impuls aus, sich sofort auf Corona testen zu lassen. Dahinter steckt oft nicht nur der Wunsch, mögliche schwere Verläufe schnell zu erkennen, sondern auch niemand anderen zu infizieren. Allerdings sind die Kapazitäten für die Durchführung von Tests begrenzt, um das hierfür notwendige medizinische Personal und Material an andere Stelle sinnvoll einsetzten zu können.

Verdacht auf COVID-19 – was nun?

Um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, empfiehlt das Robert-Koch-Institut einen Test nur, falls der Betroffene an Symptomen leidet und

  • in den letzten 2 Wochen Kontakt zu einer an COVID-19 erkrankten Person hatte, oder

  • Vorerkrankungen, wie Krebs, Lungenerkrankungen oder Herzkreislauferkrankungen bestehen oder

  • die Symptome sich verschlechtern und Atemnot und hohes Fieber hinzukommen oder

  • bei der Arbeit in Kontakt mit Risikogruppen kommt.

Selbst Verantwortung übernehmen

Für alle anderen gibt es derzeit keinen Anlass, sich auf das Virus testen zu lassen. Vielmehr appellieren die zuständigen Wissenschaftler an jeden einzelnen Bürger, egal ob mit oder ohne Symptome, sich an das Kontaktverbot zu halten und sich in Ruhe auszukurieren. Nur so könne verhindert werden, dass das Virus weitergegeben wird und Personen mit Risikofaktoren an COVID-19 erkranken. Auch falls Menschen bereits ein negatives Testergebnis erhalten haben, ist Vorsicht geboten. Sie könnten sich dann „in falscher Sicherheit wiegen, so dass sie möglicherweise weniger auf Hygiene und Sicherheitsabstand achten, sich dann aber tatsächlich infizieren und weitere Menschen anstecken“, so Dr. med. Thomas Voshaar, Vorstandsvorsitzender des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK) und Chefarzt des Lungenzentrums am Krankenhaus Bethanien in Moers.

Wer sich trotzdem nicht sicher ist, ob er lieber einen Arzt aufsuchen sollte, dem bietet die Berliner Charité unter www.covapp.charite.de einen Fragebogen an. Nachdem die Antworten über die individuelle Situation ausgewertet wurden, gibt die Website Empfehlungen für das weitere Vorgehen.

Quelle: www.lungenaerzte-im-netz.de, Robert-Koch-Institut

| Von: Marie Schläfer Bildrechte:DusanPetkovic/Shutterstock.com

Covid-19 trifft auch Jüngere

Nur die Alten in Gefahr?

Viele jüngere Menschen wiegen sich in der Sicherheit, Covid-19 könne ihnen nichts anhaben und würde nur ältere Leute schwer treffen. Amerikanischen Daten zufolge ist das ein Irrtum.

20 % der Eingewiesenen unter 44 Jahren

Etwas Husten, ein bisschen Fieber und dann ist der Corona-Spuk vorbei – vor allem junge Leute nehmen eine mögliche Infektion mit dem Pandemie-Virus SARS CoV-2 auf die leichte Schulter. Viele hielten sich deshalb oft nicht an die aufgelegte Kontaktsperre und riskierten damit eine schnelle Verbreitung der Erkrankung. Doch mit dieser Sorglosigkeit bringt man nicht nur alte Menschen, sondern auch sich selbst in Gefahr.

Die Analyse der ersten 4226 amerikanischen Covid-19-Fälle bis zum Stichtag 16. März erbrachte, dass jüngere Menschen keinesfalls gegen schwere Verläufe der Erkrankung gefeit sind. 508 (12%) dieser Covid-19-Patienten mussten aufgrund der Schwere der Erkrankung ins Krankenhaus eingewiesen werden. Dabei handelte es sich nicht nur um alte Menschen. 20% der Eingewiesenen waren 20 bis 44 Jahre jung, 18 % waren zwischen 45 und 55, 17 % zwischen 55 und 64, und 35 % über 65 Jahre alt.

Auch junge Patienten werden intensivpflichtig

121 dieser hospitalisierten Patienten mussten auf der Intensivstation behandelt werden. Hier verschoben sich die Zahlen etwas zu den Älteren, aber es gab auch junge Patienten, die intensivpflichtig wurden: Etwa 12% waren zwischen 20 und 44, 36% zwischen 45 und 64 und 53% über 65 Jahre alt. 44 der hospitalisierten Patienten verstarben. 9 davon kamen aus der Altersgruppe 20 bis 64 Jahre, 20 (46%) waren 65 bis 84 Jahre alt, 15 (34%) über 85.

Falsches Gefühl der Sicherheit

Covid-19 trifft alte Menschen besonders schwer – das unterstreichen auch diese Zahlen. Sie zeigen aber gleichzeitig, dass auch junge und mittelalte Menschen schwer an Covid-19 erkranken können und ins Krankenhaus bzw. auf eine Intensivstation eingewiesen werden müssen. Neben dem Schutz unserer Gesundheitssystems und der Solidarität mit älteren oder vorerkrankten Menschen liefert die Studie ein weiteres Argument, sich an die Ausgangsbeschränkungen zu halten.

Quelle: Ärzteblatt

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Tyler Olson/Shutterstock.com

7 Tipps gegen den Lagerkoller

Routine trotz Covid-19

Quarantäne, Ausgangsbeschränkungen, Home-Office – viele Menschen müssen  in diesen Tagen zuhause bleiben, um die Ausbreitung des neuen Coronavirus zu verhindern. Neben der Angst vor dem Virus erleben viele auch die sozialen Beschränkungen als sehr belastend. Das empfehlen Psychotherapeuten.

Tage aktiv gestalten

Um das Gesundheitssystem vor einer Überlastung durch COVID-19 zu schützen, gelten nun in ganz Deutschland Ausgangsbeschränkungen. Für viele heißt das: Freizeitbeschäftigungen und Arbeit auf zuhause verlagern und Freunde lieber nur virtuell treffen. Zu der Angst um die eigene Gesundheit und die der Angehörigen kommt das Gefühl, eingesperrt zu sein und die Ungewissheit, wie lange sich diese Situation hinziehen wird. Umso wichtiger ist es, in dieser Zeit neue Routinen zu entwickeln und alte anzupassen. Die deutsche Psychotherapeutenvereinigung hat einige Tipps veröffentlicht, die helfen.

  1. Den Tag strukturieren. Für Arbeitende: auch Pausen sind erlaubt und explizit gefordert. Telefonate mit Kollegen oder Kunden bringen zusätzliche Abwechslung. Auch in der Freizeit sind Routinen wichtig. Gewohnte Termine sollten wenn möglich beibehalten oder der Situation angepasst werden. Wer kann, nimmt seine Mahlzeiten am besten gemeinsam und zu den gewohnten Zeiten ein.
  2. In Bewegung bleiben. Stress und Angst werden am besten durch Bewegungs- und Atemübungen abgebaut. Ob geführte Meditation, High-Intensity-Workout oder Yoga – mittlerweile gibt es kostenlose Onlinekurse für jeden.
  3. Ausreichend trinken, ausgewogen ernähren. Steht der Körper unter Stress, benötigt er mehr Flüssigkeit. Zusammen mit gesunder Ernährung sind Körper und Psyche widerstandfähiger.
  4. Freie Zeit genießen. Endlich genug Zeit für Entspannung, Hobbies und die Familie. Oder wie wäre es mit einer neuen Herausforderung, wie dem Lernen einer Sprache?
  5. Tagesziele setzen. Wer jeden Tag ein paar kleine Aufgaben erledigt, freut sich über den Erfolg und beugt depressiven Gedanken vor. Jetzt ist auch endlich Zeit für ungeliebte Arbeiten, wie den Frühjahrsputz oder das Aufräumen des Kellers.
  6. Ruhe bewahren. Ständige Panik und Angst drücken die Stimmung und führen zu Schlafstörungen. Hier hilft es, sich abzulenken und nur zwei Mal pro Tag die Meldungen zur Coronakrise zu lesen.  
  7. In Kontakt bleiben. Gemeinsam lässt sich die Krise besser bewältigen. Schon ein Lächeln beim Einkaufen, ein Anruf oder Gespräche mit Familienmitgliedern schaffen ein Gefühl von Zusammenhalt.

Quelle: Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung

| Von: Marie Schläfer Bildrechte:AfricaStudio/Shutterstock.com

Prostatakrebs-Risiko nach Vasektomie

Leicht, aber signifikant erhöht

Immer mehr Männer verhüten endgültig, indem sie sich die Samenleiter durchtrennen lassen. Einer neuen Studie zufolge gibt es Hinweise darauf, dass nach einer solchen Vasektomie das Risiko für Prostatakrebs steigt.

Risiko um 15% erhöht

Etwa 3% der deutschen Männer im Alter zwischen 20 und 44 Jahren lassen sich per Vasektomie sterilisieren. Ob es zwischen diesem Eingriff und dem Auftreten von Prostatakrebs einen Zusammenhang gibt, haben nun dänische Ärzte mit Hilfe der Daten von über 2 Millionen Männern analysiert. Knapp 140 000 davon hatten sich die Samenleiter durchtrennen lassen, 26 000 der teilnehmenden Männer entwickelten einen Prostatakrebs.

Es zeigte sich, dass die sterilisierten Männer 10 Jahre nach dem (durchschnittlich mit 38 Jahren) erfolgten Eingriff ein um etwa 15% höheres Prostatakrebs-Risiko hatten als die Nicht-Vasektomierten. Demzufolge erkrankte von 71 Männern mit durchtrennten Samenleitern einer vor seinem 75. Lebensjahr an Prostatakrebs. Diese leichte, aber statistisch signifikante Erhöhung des Risikos blieb zudem etwa 30 Jahre lang bestehen.

Ursache ungeklärt

Warum nach einer Vasektomie das Risiko für Prostatakrebs erhöht ist, bleibt ungeklärt. Möglicherweise haben die Sekrete, die bei einer normalen Ejakulation durch die Prostata geleitet werden, eine schützende Funktion, spekulieren die Studienautoren. Die Anzahl der Arztbesuche, das Einkommen oder den Bildungsstand konnten sie als Einflussfaktoren ebenso ausschließen wie die Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen.

Andere Krebsarten seltener

Dagegen war bei den Sterilisierten das Risiko für andere Krebserkrankungen um 9% geringer. Dazu gehörte auch die Wahrscheinlichkeit, an mit Rauchen oder Alkoholkonsum verbundenen Tumorarten zu erkranken (z. B. Lungen- oder Speiseröhrenkrebs). Als Grund für die reduzierte Krebsrate vermuten die Studienautoren eine gesündere Lebensweise der Vasektomierten.

Quelle: www.springermedizin.de

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Chinnapong/Shutterstock.com

Corona-Infos für Krebspatienten

Chemotherapie lieber verschieben?

In Zeiten von Covid-19 sind viele Krebspatienten verunsichert, da sie zur Gruppe der Risikopatienten gehören. Informationen und Empfehlungen für diese Patienten hat nun die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) herausgegeben.

Knackpunkt schwaches Immunsystem

Konkrete Erfahrungen über eine erhöhte Covid-19-Rate bei Krebspatienten gibt es bisher noch nicht, berichtet die DGHO. Bei ihren Empfehlungen orientieren sich die Experten deshalb an anderen viralen Infektionen der Atemwege. Zudem sind Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung oder einer Therapie ein geschwächtes Immunsystem haben, bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 besonders gefährdet, schwere Verläufe zu entwickeln.

Wer ist gefährdet?

Laut DGHO gehören zu den gefährdeten Patienten:

  • Patienten, die an einer hämatologischen Grunderkrankungen wie z. B. Leukämie oder einem Lymphom leiden
  • Patienten mit niedrigen Immunglobulin-Spiegeln im Blut
  • Patienten die langfristig immunsuppressiv behandelt werden. Dazu gehören beispielsweise Kortisontherapien oder die Behandlung mit Antikörpern
  • Patienten nach einer Stammzelltransplantation und anderen zellulären Therapie.

Schützen – Erkennen – Handeln

Zur Vorbeugung einer Infektion gelten für Krebspatienten die gleichen offiziell empfohlenen Schutzmaßnahmen wie für gesunde Menschen. Dies sind insbesondere folgende Verhaltensweisen:

  • Schützen: Hände regelmäßig gründlich waschen oder desinfizieren. Wenn keine Waschgelegenheit vorhanden ist, Distanz zu Personen halten (vor allem wenn diese Zeichen von Infekten aufweisen), soziale Kontakte einschränken.
  • Erkennen: Auf erste Krankheitsanzeichen wie Husten, Kratzen im Hals, Fieber oder Schnupfen achten.
  • Handeln: Im Falle von Krankheitszeichen und einem begründeten Verdacht auf eine Covid-19-Infektion (Kontakt zu Infizierten, Aufenthalt in Risikogebieten ) den Arzt telefonisch kontaktieren.

Krebstherapie verschieben?

Krebstherapien haben eine Reihe unerwünschter Wirkungen, darunter auch die, das Immunsystem zu schwächen. Bei einer Krebstherapie wägt der behandelnde Arzt jedoch das Risiko der Krebstherapie gegenüber ihrem Nutzen stets sorgfältig ab. Das gilt auch in Zeiten der Covid-19-Pandemie, wobei das Infektionsrisiko auch von den Lebensumständen des Patienten abhängt. Doch bei den meisten, akut an Krebs erkrankten Patienten steht der Nutzen einer sinnvollen und geplanten Krebstherapie über dem Risiko einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus, schreibt die DGHO in ihrem Informationsblatt. In Fällen einer chronischen, gut beherrschbaren Krebserkrankung kann individuell über Therapieverschiebung entschieden werden.

Quelle: DGHO

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:napocska/Shutterstock.com

Corona kommt nicht aus dem Labor

Fake News entkräftet

Wieder eine Verschwörungstheorie wissenschaftlich entkräftet: Das Pandemie-Virus SARS CoV-2 wurde nicht zu finsteren Zwecken in einem chinesischen Labor gebastelt. Es hat sich kalifornischen Wissenschaftlern zufolge auf natürlichem Weg entwickelt.

Spike-Protein unter der Lupe

Um den Ursprung des neuen Coronoavirus SARS-CoV-2 zu bestimmen, verglichen die Forscher seinen Aufbau mit dem Aufbau der bisher bekannten Coronaviren. Dabei nahmen sie vor allem das Spike-Protein auf der Virushülle unter die Lupe. Mit Hilfe dieses aus 2 Bereichen bestehenden Proteins erobert das neue Coronavirus seine Wirtszelle: Über die Receptor Binding Domain (RBD) bindet es an die Oberfläche der Wirtszelle und über die sogenannte Cleavage Site dringt es in die Zelle ein, was letztendlich zu der Erkrankung Covid-19 führt.

Bindungs-Stelle spricht für Selektion

Vor allem der RDB-Bereich des neuen Virus ist im Gegensatz zu den bisherigen Coronaviren derart verändert, dass es sehr gut an die menschliche Zelle andocken kann. Für eine solche Anpassung kommt aber nur ein natürlicher Selektionsprozess in Frage und keine genetische Manipulation im Labor, betonen die Wissenschaftler. „Wir können mit Bestimmtheit sagen, dass SARS CoV-2 durch natürliche Prozesse entstanden ist“, bekräftigt die Erstautorin der Studie.

Zudem unterscheidet sich die molekulare Struktur im Vergleich zu SARS CoV-2 und MERS (den beiden anderen bekannten krankmachenden Coronaviren) stark. Auch deshalb schließen die Wissenschaftler eine genetische Manipulation der bekannten Coronaviren zur Herstellung von SARS CoV-2 aus.

Wo ist das Virus mutiert?

Wo sich das neue Virus entwickelt hat, ist noch unklar. Am wahrscheinlichsten ist, dass das Virus wie sein Verwandter SARS schon in einem tierischen Wirt mutierte und dann auf den Menschen übergesprungen ist, vermuten die Autoren. Möglich ist aber auch, dass eine nicht-krankheitserregende Virus-Variante den Menschen erobert und die krankheitserregenden Eigenschaften erst im Menschen selbst entwickelt hat. Epidemiologisch haben beide Theorien verschiedene Bedeutung: Kursiert das menschen-pathogene SARS CoV-2 in der Tierwelt, ist die Chance für eine weitere Pandemie deutlich höher, als wenn das Virus erst im Menschen selbst zum Krankheitserreger wurde, erklären die Wissenschaftler.

Quelle: Ärzteblatt

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Evgeniy Kalinovskiy/Shutterstock.com

So bekämpft unser Immunsystem COVID-19

Immunreaktion entschlüsselt

Auf der ganzen Welt forschen Wissenschaftler, um herauszufinden, welche Medikamente gegen Covid-19 helfen. Umso interessanter ist, wie es dem Immunsystem des Körpers in der Zwischenzeit ganz von alleine gelingt, mit dem neuartigen Erreger fertig zu werden. Exemplarisch wurden die Reaktionen der körpereigenen Abwehr nun bei einer erkrankten Frau aus Australien untersucht.

Das Immunsystem lernt ständig neu dazu

Das Immunsystem gliedert sich in einen angeborenen und einen erworbenen Teil. Zu dem angeborenen Immunsystem gehören unspezifische Abwehrmechanismen, die als erste Barriere gegen Erreger dienen – es reagiert also schnell, aber eher unpräzise. Zu ihm zählen die natürlichen Killerzellen, Phagozyten, das Komplementsystem und lytische, also auflösende Enzyme. Das erworbene Immunsystem wiederum braucht etwas länger, um auf einen Erreger zu reagieren, passt sich aber dafür genau an die verschiedensten Erreger an und „lernt“ dadurch ständig dazu. Zu ihm gehören die weißen Blutkörperchen und Antikörper. Dringt ein Erreger in unseren Körper ein, reagiert also zunächst das angeborene Immunsystem, bevor das erworbene Immunsystem den Erreger genauer betrachtet und dann speziellere Anpassungsvorgänge einleitet. So werden beispielsweise einige Tage nach Eindringen des Erregers spezifische Antikörper gebildet, um die Infektion effektiv zu bekämpfen und auf ein erneutes Eindringen des Erregers vorbereitet zu sein.

Anstieg der Antikörperproduktion bei COVID-19

Auch beim neuartigen Coronavirus COVID-19 (auch SARS-CoV-2 genannt) zeigte das Immunsystem eine deutliche Reaktion auf den Erreger. Forscher des Doherty Institutes in Melbourne untersuchten die Immunreaktion einer 47-jährigen Patientin, die 11 Tage nach Rückkehr aus der chinesischen Stadt Wuhan mit typischen Symptomen einer mittelschweren COVID-Infektion (Fieber, trockener Husten, leichte Atemnot, Schmerzen beim Einatmen) eingeliefert wurde. Der Erreger konnte am 4. Tag anhand eines Rachenabstriches festgestellt werden. Nun der Clou: Bereits an Tag 7 war der Abstrich wieder negativ, was auf eine effiziente Antwort des Immunsystems hindeutete. Das Team um Katherine Kadzierska untersuchte die Immunreaktion der Patientin genauer und konnte folgenden Verlauf feststellen:

Tag 7: Erstmals weisen die Forscher Antikörper nach. Das erworbene Immunsystem hat also bereits auf den Erreger reagiert und seine Abwehrstrategie exakt darauf ausgerichtet.

Tag 8: Die Produktion der Antikörper erreicht ihren Höhepunkt. Jetzt steigen auch die CD8-T-Zellen an, die vom Virus befallene Zellen zerstören, und Monozyten im Blut nehmen ab, was darauf hindeutet, dass sie in entzündetes Gewebe rekrutiert wurden, um dort zerstörte Zellen abzubauen.

Tag 10: Die Röntgenbilder der Lunge sind wieder unauffällig, die erkrankte Frau darf die Klinik wieder verlassen.

Fazit: Die Reaktion des Immunsystems der Patientin war kurz und nicht sonderlich heftig, sie musste weder mit Sauerstoff noch mit Steroiden oder antiviralen Medikamente behandelt werden und erholte sich vollständig. In diesem Fall hat das Immunsystem die Infektion schnell und effektiv in den Griff bekommen. Dennoch treten weltweit Fälle mit einem tödlichen Verlauf der COVID-19-Infektion auf, bei denen das Immunsystem den Erreger nicht binnen weniger Tage bekämpft. Die genaue Ursache hierfür ist noch unklar und bedarf weiterer Studien.

Quelle: Ärzteblatt

| Von: Christina Winzig Bildrechte:Kobkit Chamchod/Shutterstock.com

So stellen Sie den Heuschnupfen ab

Von Spray bis Spritze

Pünktlich zum Frühjahr geht es für viel wieder los mit dem Heuschnupfen. Triefende Nase, dauerhafter Niesreiz, juckende und tränende Augen werden je nach herumfliegender Pollenart zum lästigen Begleiter. Zum Glück muss man den Spuk nicht kampflos hinnehmen: Lesen Sie in diesem Ratgeber, mit welchen Tipps und Medikamenten Sie Ihren Heuschnupfen am besten in den Griff bekommen.

Häufig und nicht harmlos

Heuschnupfen ist alles andere als selten: Fast jedes 10. Kind leidet darunter, und bei 15% der Erwachsenen wird zumindest einmal im Verlauf ihres Lebens die Diagnose „Heuschnupfen“ gestellt. Auch wenn oberflächlich betrachtet nur die Nase trieft und das Auge juckt, ist der Heuschnupfen, (medizinisch auch allergische oder saisonale Rhinitis) nicht harmlos: Manche Heuschnupfenerkrankte sind so stark betroffen, dass sie Dauerkopfschmerzen und Müdigkeit entwickeln und sogar ihre Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt ist. Unbehandelter Heuschnupfen kann sich auch auswachsen und die Schleimhäute so empfindlich machen, dass sich leichter Nasennebenhöhlenentzündungen, Husten oder sogar ein allergisches Asthma entwickelt. Bei Letzterem spricht man dann von einem Etagenwechsel, weil sich die Heuschnupfenbeschwerden nun eine Etage tiefer, nämlich in den Bronchien und der Lunge bemerkbar machen.

Hinweis: Spätestens bei Brennen hinter dem Brustbein, Nachlassen der sportlichen Leistung (z. B. im Schulsport), Reizhusten und häufigen Infekte der tiefen Atemweg sollten Sie einen Arzt aufsuchen, denn diese Beschwerden können Hinweise auf den oben genannten Etagenwechsel sein.

Den Trief-Auslöser dingfest machen

Auslöser für den Heuschnupfen sind Pollen aller Art, also das männliche Erbgut, das Pflanzen über den Wind verteilen. Diese Pollen sind bis zu 20 Mikrometer groß und können über hunderte Kilometer fliegen. Dringen sie in die Atemwege oder in die Augen ein, lösen sie bei sensibilisierten Pollenallergikern über deren körpereigene Abwehr (Immunglobuline und der Botenstoff Histamin) die typischen Beschwerden aus. Zu den wichtigsten allergie-auslösenden Pollen zählen

  • Hasel, Erle, Birke 
  • Gräser, Roggen 
  • Beifuß, Nessel 
  • Ambrosia.

Weil sich die allergieauslösenden Bestanteile der Pollen häufig ähneln, haben viele Heuschnupfenpatienten sogar mehrere Allergien gleichzeitig und kämpfen deshalb oft von Januar bis zum Herbst mit Juckreiz, Triefnase & Co.. Um herauszufinden, welche Allergene für die Beschwerden verantwortlich sind, ist ein Arztbesuch angezeigt. Nach der gründlichen Befragung hilft ein sogenannter Pricktest, den Übeltäter nachzuweisen. Dabei tropft der Arzt verschiedene Allergene auf die Innenseite des Unterarms und ritzt die Haut oberflächlich mit einer Nadel ein. Anhand der Hautreaktionen lässt sich ablesen, auf welches Allergen der Betroffene allergisch ist. Im Zweifel nimmt der Arzt auch Blut ab und prüft, ob spezifische IgE-Antikörper gegen das verdächtige Pollengen nachweisbar sind.

Tipp: Hilfreich bei der Identifizierung der allergisierenden Pollen ist ein Pollentagebuch, indem der Betroffene seine Beschwerden einträgt, die dann mit der aktuellen Pollensituation vor Ort abgeglichen werden (bereitgestellt von der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst unter http://www.pollenstiftung.de/pollentagebuchpollen-app/ ).

Akute Hilfe mit Spray und Tropfen

Wenn die Augen jucken und die Nase trieft, will der Betroffene meist nur, dass die Beschwerden schnell wieder verschwinden. Dabei sollten zunächst lokale Mittel eingesetzt werden, d.h. Nasensprays und Augentropfen. Folgende Präparate sind in der Apotheke rezeptfrei erhältlich:

  • Cromoglicinsäure (zum Beispiel Pollicrom® oder Vividrin®Nasenspray gegen Heuschnupfen) ist die mildeste Variante der Wirkstoffe gegen die saisonale allergische Rhinitis. Sie stabilisiert die Zellen, die den Botenstoff Histamin freisetzen und wirkt damit vorbeugend. Deshalb müssen Nasensprays oder Augentropfen mit Cromoglicinsäure auch schon eine Woche vor dem ersten Pollenflug verwendet werden, um ausreichend zu wirken.
  • Antihistaminika blockieren den Rezeptor für Histamin und wirken schnell und effektiv. Als Nasenspray oder Augentropfen empfehlen sich Azelastin (zum Beispiel Allergodil®akut, Vividrin®akut, Pollival® oder Azela-Vision®MD sine) oder Levocabastin (zum Beispiel Levocamed®). Ketotifen gibt es nur als Augentropfen (zum Beispiel Ketotifen Stulln®DU, Zaditen ophta®). Je nach Wirkstoff sollen sie 2 bis 4-Mal am Tag angewendet werden.
  • Kortisonhaltige Nasensprays dämmen die Immunreaktion ein und gehören inzwischen zur Basistherapie beim Heuschnupfen. Zur Selbstmedikation nach Erstdiagnose durch den Arzt sind für Erwachsene die Wirkstoffe Beclometason (zum Beispiel Rhinivict®nasal), Mometason (zum Beispiel Momeallerg®) und Fluticason (zum Beispiel Otri-Allergie®) zugelassen. Die Wirkung kortisonhaltiger Nasensprays setzt jedoch erst nach drei bis vier Behandlungstagen ein. Bei Besserung der Beschwerden kann die Dosis reduziert werden. Reicht eine Monotherapie nicht aus, kann sich der Betroffene vom Arzt auch ein Nasenspray mit einer fixen Kombination von Kortison und Antihistaminikum verschreiben lassen (zum Beispiel Dymista®).
  • Bei akut stark verstopfter Nase oder extrem geröteten Augen dürfen für maximal eine Woche auch abschwellende Nasentropfen bzw. weißmachende Augentropfen verwendet werden. Empfohlene Wirkstoffe sind gefäßverengende Alpha-Sympathomimetika wie Naphazolin oder Oxymetazolin.

Sind Augen und Nase vom Heuschnupfen betroffen, bietet sich auch eine „innere“ Therapie mit Antihistaminika an. Die Tabletten werden einmal täglich eingenommen und reduzieren zuverlässig die allergischen Beschwerden. Antihistaminika der 2. und 3. Generation wie Loratadin, Cetirizin und Levocetirizin machen weniger müde als die der 1. Generation, weswegen ihnen der Vorzug gegeben werden sollte.

Tipp: Wer auch von den neuen Antihistaminika müde wird, sollte die Einnahme der Tagesdosis auf abends verlegen.

Müssen Schwangere weiterschniefen?

Medikamente sind während Schwangerschaft und Stillzeit oft eine heikle Angelegenheit. Zum Glück sind jedoch laut den Experten für Embryonaltoxokologie von der Charité Berlin die wichtigsten Basismedikamente auch mit Baby im Bauch oder an der Brust erlaubt. Erste Wahl ist die als Nasenspray oder Augentropfen zur Prophylaxe eingesetzte Cromoglicinsäure. Reicht das nicht aus, dürfen Schwangere zu Augentropfen oder ein Nasenspray mit Azelastin oder Levocabastin greifen. Auch Antihistaminika-Tabletten sind möglich: Hier empfehlen die Experten die Wirkstoffe Loratidin, Desloratidin oder Cetirizin, ist eine Sedierung, d.h. das Müdemachen erwünscht, darf Clemastin (zum Beispiel Tavegil®) eingenommen werden. Clemastin geht jedoch in die Muttermilch über. Wird das Baby mitsediert, sollte die Mutter lieber auf eines der oben genannten nicht-sedierenden Antihistaminika wechseln. Extrem verstopfte Nasen dürfen Schwangere und Stillende durch abschwellende Nasentropfen mit Xylometazolin (zum Beispiel Otriven®) oder Oxymetazolin (zum Beispiel Nasivin® oder Wick®sinex) belüften – allerdings ebenfalls nicht länger als eine Woche.

Langfristig desensibilisieren

Bei manchen Betroffenen lässt sich der Heuschnupfen durch die oben genannten Medikamente nicht eindämmen. Hier ist zu überlegen, den Organismus mit einer SIT (spezifischen Immuntherapie) an das Allergen zu gewöhnen, um dadurch die allergische Reaktion einzudämmen. Diese Therapie dauert etwa 3 Jahre und ist bei Allergien gegen Gräser- und Baumpollen recht erfolgreich. Dabei werden in regelmäßigen Abständen die entsprechende Allergenextrakte entweder mit einer Spritze unter die Haut (Subcutane Immuntherapie, SCIT) oder als Tablette bzw. Lösung unter die Zunge gegeben (Sublinguale Immuntherapie, SLIT).

Hinweis: Wenn Sie sich für eine SLIT oder SCIT entschieden haben, bleiben Sie dran. Je länger die Immuntherapie durchgeführt wird, desto größer ist der Therapieerfolg. Selbst wenn die Beschwerden nicht komplett verschwinden, wird durch die Immuntherapie einem Etagenwechsel vorgebeugt.

Was noch alles hilft

Zur Linderung von Heuschnupfen-Beschwerden gibt es eine ganze Reihe nicht-medikamentöser Maßnahmen. Die wichtigste davon ist die Allergen-Karenz, d.h. das Meiden der Pollenallergene. Hilfreich sind dabei folgende Tipps:

  • Feucht wischen. Während der Pollensaison ist es hilfreich, Boden und andere Oberflächen im Haus feucht zu wischen, um die Pollen zu entfernen. Staubsaugen ist kontraproduktiv, da Luft und Pollen aufgewirbelt werden.
  • Nase spülen. Aus der Nase lassen sich Pollen mit einer Nasenspülung vertreiben. Am besten nimmt man dazu Salzlösungen, die erforderlichen Nasendusche oder Nasenkanne gibt´s in der Apotheke.
  • Zu Hause umziehen. Wer aus dem Freien kommt, kann die Pollenbelastung reduzieren, indem er seine Kleidung wechselt. Brillenträger sollten die Brillengläser reinigen, denn auch hier sammeln sich gerne Pollen an.
  • Urlaub planen. Wer weiß, wann die für ihn gefährlichen Pollen zu Hause unterwegs sind, kann Urlaub in pollenärmeren Regionen planen. Auf der Seite https://www.zaum-online.de/pollen/pollen-monitoring-map-of-the-world.html findet sich eine Karte mit Informationen zur weltweiten Verteilung von Pollen.
  • Richtig lüften. Fenster kurz und stoßweise öffnen, nicht gekippt lassen. Wer auf Gräserpollen allergisch ist, sollte eher morgens die Fenster öffnen, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land ist deren Konzentration in der Luft morgens am niedrigsten. Anders herum ist es beim Beifuß: Seine Pollen schwirren vor allem morgens in der Luft, weshalb Beifuß-Allergiker morgens die Fenster geschlossen halten und abends lüften sollten. Nach einem starken Regenguss gilt für alle: Fenster öffnen und die saubere Luft einziehen lassen.
  • Sauber schlafen. Haarwaschen und Duschen vor dem Schlafengehen entfernt Pollen von Haut und Haaren. Getragene Kleidung nicht mit ins Schlafzimmer nehmen, Bettwäsche häufig wechseln.
  • Pollenarm Autofahren. Pollenfilter in der Lüftung reduzieren die Pollen im Inneren des Autos, außerdem sollten während der Fahrt die Fenster geschlossen bleiben.
  • Drinnen sporteln. Pollenallergiker können in der für sie belastenden Zeit auf Hallenaktivitäten umsteigen: Schwimmen im Hallenbad, Klettern in der Kletterhalle oder Tennis drinnen macht auch Spaß.
  • Staubmasken & Co. Manche Pollenallergiker empfinden auch das Tragen von Staubmasken, Brillen mit dicht schließenden Gläsern oder speziellen, in der Nase getragenen Filtern als entlastend.

Tipp: Wer ein Smartphone hat, kann sich hilfreiche Apps mit Pollenflugvorhersagen herunterladen. Entsprechende Angebote finden Sie in den App-Stores, Beispiele sind Husteblume oder der Pollenfluggefahrenindex vom Deutschen Wetterdienst.

Quellen: DAZ online, www.allergieinformationsdienst.de

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:FreeProd33/Shutterstock.com

Muss es immer Desinfektionsmittel sein?

Mit Wasser und Seife gegen COVID-19

Wer sich in diesen Tagen mit Desinfektionsmittel eindecken will, steht meist vor leergefegten Regalen. Dann aus Angst vor einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus in Panik zu geraten, ist jedoch nicht nötig. Meist reichen auch einfache Maßnahmen, um sich vor dem Virus zu schützen.

Richtiges Desinfektionsmittel wählen

Um sich vor der Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen, greifen viele Menschen aktuell zu Desinfektionsmitteln. Falls nicht ausverkauft, sind in den Drogeriemärkten allerlei Produkte zur Händedesinfektion zu kaufen. Aber nicht jedes Gel, Spray oder Seife inaktiviert das Coronavirus. Das RKI empfiehlt, Mittel mit den Bezeichnungen „begrenzt viruzid“, „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“. Auch in der Apotheke hergestellte Lösungen, die zu zwei Dritteln aus den Alkoholen Ethanol oder Isopropanol bestehen, sind wirksam. Das Desinfektionsmittel muss jedoch, um zu wirken, korrekt angewendet werden. Dazu gehört, die Haut mit mindestens 3 ml zu benetzen und an der Luft trocknen zu lassen.

Genauso effektiv: Händewaschen!

Ohne Zweifel ist die Händedesinfektion eine wichtige Maßnahme, um eine Übertragung der Viren zu vermeiden. Besonders nach dem Kontakt mit infizierten oder besonders gefährdeten Personen ist die Händedesinfektion praktisch, da sie überall durchzuführen ist. Genauso effektiv ist es jedoch, die Hände mit Wasser und Seife zu waschen. Zusätzlich sollten eine korrekte Hust- und Nieshygiene und genug Abstand zu infizierten Personen eingehalten werden. Ausführliche Erklärungen zu diesen Maßnahmen wurden von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zusammengestellt und sind auf www.infektionsschutz.de abrufbar.

Mit Bedacht einkaufen

Für Hamsterkäufe von Desinfektionsmittel gibt es also keinen Grund. Nicht zuletzt leistet die Bevölkerung durch kluge Kaufentscheidungen einen Beitrag, dass medizinischen Einrichtungen, wie Krankenhäusern und Pflegeheimen, auch in Zukunft genug Desinfektionsmittel zur Verfügung steht.

Quellen: Bundesgesundheitsministerium, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Robert Koch Institut, Deutsche Apotheker Zeitung

| Von: Marie Schläfer Bildrechte:Maria Sbytova/Shutterstock.com

FSME hinterlässt schwere Folgen

Impfung nicht vergessen!

Die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) hinterlässt bei jedem Dritten dauerhafte neurologische Schäden, warnt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Sie rät beim Aufenthalt in FSME-Risikogebieten – von denen kürzlich 3 neue ausgewiesen wurden – dringend zur FSME-Impfung.

Bei jedem 2. Patienten Gehirn oder Rückenmark infiziert

In ihrer neuen Leitlinie weisen die Neurologen erneut auf die häufig schwerwiegenden Folgen der FSME hin. Das Ausmaß von Beschwerden und eventuellen Dauerfolgen hängt davon ab, welche Bereiche des zentralen Nervensystems betroffen sind. Bei etwa 50% der Patienten führt die Infektion zu einer isolierten Gehirnhautentzündung (Meningitis) mit Fieber und meist starken Kopfschmerzen. Bei 40% kommt jedoch eine Gehirnentzündung (Meningoenzephalitis) dazu, die sich in Bewusstseinsstörungen, Gleichgewichtstörungen und eventuell Lähmungen von Hirnnerven äußert. 10% der Betroffenen entwickeln sogar eine Rückenmarksentzündung (Meningoenzephalomyelitis) mit schlaffen Lähmungen von Armen und/oder Beinen, Schluck- und Sprechstörungen und lebensbedrohlichen Atemlähmungen.

Lähmungen, Hörstörungen, Konzentrationsschwäche

Die beste Prognose hat die Meningitis, sie heilt in der Regel folgenlos aus. Anders sieht es aus, wenn Gehirn und Rückenmark mit betroffen waren. Diese Patienten leiden oft unter anhaltenden Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit und verringerter Belastbarkeit. Bei jedem 5. Patienten mit Meningoenzephalitis bleiben dauerhaft Störungen von Gedächtnis, Sprache, Hören oder Bewegungskoordination und sogar Lähmungen zurück. Von den Patienten mit Beteiligung des Rückenmarks erholen sich nur 20%, jeder 2. behält Schäden zurück, 30% versterben sogar an den Folgen der Erkrankung.

Neue FSME-Risikogebiete: Dresden, Meißen, Schmalkalden-Meiningen

Übertragen wird die FSME durch Zecken. Doch nicht überall in Deutschland gibt es Zecken, die mit dem FSME-Virus infiziert sind. Je nach Häufigkeit der FSME-Erkrankungen erstellt das Robert Koch-Institut regelmäßig eine Risikokarte, auf der gefährdete Gebiete zu erkennen sind (www.rki.de). In Deutschland sind neben Bayern und Baden-Württemberg, Südhessen, südöstlichem Thüringen, Sachsen, den Kreisen Emsland, Marburg-Biedenkopf, Saar-Pfalz und Birkenfeld nun aktuell 3 weitere Gebiete dazugekommen: der Stadtkreis Dresden und die Landkreise Meißen und Schmalkalden-Meinigen.

Impfen lassen!

Vor dem Hintergrund der Ausbreitung der FSME und der Schwere der Erkrankung ist unverständlich, warum die Impfraten seit 2010 sinken. Denn Impfen schützt vor der FSME: Von den 444 FSME-Infizierten im Jahr 2019 waren 98% nicht geimpft, betonen die Experten. Für Menschen, die sich in den Risikogebieten in der Natur aufhalten wollen oder ihren Urlaub in ausländischen Risikogebieten verbringen wollen, empfehlen die Neurologen dringend die FSME-Impfung. Die Grundimmunisierung umfasst 3 Teilimpfungen innerhalb eines Jahres, die erste Auffrischimpfung ist nach 3 Jahren erforderlich.

Quelle: Frühsommer-Meningoenzephalitis S1-Leitlinie der DGN, Ärztezeitung

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Schlegelfotos/Shutterstock.com

Frühstück verbraucht mehr Kalorien

Energieumsatz im Visier

Sollen Abspeckwillige lieber morgens oder abends Kalorien sparen? Hier scheiden sich die Geister immer wieder. Lübecker Forscher haben 16 Männer zu Probefrühstück und Abendmahl geladen und den jeweiligen Energieumsatz gemessen.

Männer im Blindversuch

Das Frühstück fasziniert Forscher und Abspeckwillige gleichermaßen. Fördert das Auslassen der morgendlichen Nahrungsaufnahme die Gewichtsabnahme oder schadet es womöglich beim Abnehmen? In einer aktuellen Laborstudie haben sich Wissenschaftler nun intensiv mit der Kalorienverbrennung beim Frühstück und beim Abendbrot beschäftigt. Dabei bekamen 16 normalgewichtige Männer an einem Tag ein hochkalorisches Frühstück und eine niederkalorische Abendmahlzeit, an einem anderen Tag ein niederkalorisches Frühstück kombiniert mit einem kalorienreichen Mahl am Abend. Die Studie war verblindet, d.h., wie viele Kalorien ihre jeweilige Mahlzeit hatte, erfuhren die Männer nicht.

Morgens höherer Energieumsatz

Im Rahmen einer Kalometrie maßen die Forscher die abgegebene Wärmemenge der Männer und berechneten damit die sogenannte „nahrungsinduzierte Thermogenese“, also den durch Verdauung, Aufnahme und Transport der Nahrungsmittelbestandteile erhöhten Energieverbrauch. Außerdem überwachten sie die Blutglukose und verglichen Hunger und Süßigkeitenverzehr im Verlauf des Tages. Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • Nach dem Frühstück – egal ob kalorienreich oder kalorienarm – wurden deutlich mehr Kalorien verbrannt als nach der abendlichen Mahlzeit.
  • Blutzucker- und Insulinspiegel stiegen nach dem Frühstück deutlich langsamer an als nach dem Abendessen.
  • Nach einem Frühstück mit wenig Kalorien stieg der Appetit auf Süßes im Tagesverlauf, was die Männer dann auch zu mehr Süßigkeiten zwischendurch greifen ließ.

Mit dieser Untersuchung ist nun nachgewiesen, dass der menschliche Energieumsatz morgens höher ist als abends, betonen die Studienautoren. Das sei womöglich auch für Übergewichtige von Bedeutung, die zum Abnehmen oft lieber das Frühstück auslassen und dann eher abends essen. Inwieweit ihre Erkenntnisse zum Energieumsatz bei einer Gewichtsabnahme genutzt werden können, wollen die Forscher jetzt durch eine Studie an Übergewichtigen prüfen.

Quelle: Ärztezeitung

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Josep Suria/Shutterstock.com

Corona-Infekt durch Blutdrucksenker?

Verunsicherte Patienten

In den sozialen Medien kursieren Warnungen vor bestimmten Hochdruckmitteln: Sartane und ACE-Hemmer sollen empfänglicher für die Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 machen. Was sagen die Experten der Deutschen Hochdruckliga DHL dazu?

ACE2 hat viele Gesichter

Dreh- und Angelpunkt dieser Spekulationen ist das Enzym ACE2. Dieses Enzym sitzt u. a. auf der Oberfläche von Lungenzellen und wird von den SARS-CoV-2-Viren als Eintrittspforte in die Zelle genutzt. Doch ACE2 hat nicht nur negative, eine Infektion fördernde Effekte: Es schwimmt auch gelöst im Blut, wodurch es Viren wie eine Art Köder abfängt und dadurch die Anzahl infizierter Lungenzellen vermindert. Ein Anstieg von ACE2 könnte demnach sowohl positive als auch negative Folgen haben, betonen die DHL-Experten.

RAS-Blockade schützt bei Lungenentzündung

Doch was hat ACE2 mit Hochdruckmitteln zu tun? Hier kommt eine weitere Funktion von ACE2 ins Spiel. Das Enzym baut Blutdruckhormone des Renin-Angiotensin-Systems (RAS) ab. Die Bildung dieser Hormone wird aber durch Blutdrucksenker vom Typ ACE-Hemmer und Sartane unterdrückt. In der Folge steigen die ACE2-Werte leicht an. Ob dieser leichte Anstieg überhaupt eine Bedeutung für die Infektanfälligkeit hat, ist aber völlig unklar, betonen die DHL-Experten. Überzeugende Daten gibt es jedoch dafür, dass die oben genannte RAS-Blockade bei einer Lungenentzündung schützende Effekte hat.

Plötzliches Absetzen ist gefährlich

„Der mögliche schädliche Einfluss von Blutdruck-Senkern auf die Virus-Anfälligkeit ist äußerst spekulativ. Hingegen könnten Blutdrucksenker bei schweren Verläufen Leben retten“, sagt Florian Limbourg, Vorstand der DHL. Er warnt dringend vor dem eigenmächtigen Absetzen von Hochdruckmitteln oder einer Reduktion ihrer Dosis. Vor allem bei Herzkranken kann das ein Schuss nach hinten sein, denn beim plötzlichen Abbrechen einer blutdrucksenkenden Therapie drohen schwere Folgen wie z. B. Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Quelle: Ärztezeitung

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Corona Borealis Studio/Shutterstock

Inzi...was? Fachbegriffe rund um Corona

Durchblick im Fachwort-Dschungel

Pandemie, Durchseuchung, Inzidenz und Prävalenz – für Nicht-Mediziner ist es eine echte Herausforderung, aus den Fachbegriffen rund um die Corona-Berichterstattung schlau zu werden. Eine kleine Auswahl im Überblick.

Von Pandemie bis Durchseuchungsrate

Halbwissen ist meist genauso irreführend wie gar kein Wissen. Um keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, hilft es, auch halbvertraute Begriffe genau unter die Lupe zu nehmen.

Pandemie. Definitionsgemäß ist eine Pandemie eine weltweite Epidemie. Eine Epidemie wiederum ist eine Erkrankung, die örtlich und zeitlich gehäuft innerhalb einer Population auftritt – und von einer Population spricht man, wenn es sich um Individuen einer Art handelt, die sich in einem bestimmten Gebiet aufhalten. Einfach erklärt: Die Einwohner von Deutschland bilden eine Population. Tritt hier eine bestimmte Erkrankung gehäuft auf, z.B. Grippe, liegt eine Epidemie vor. Breitet sich die Erkrankung weltweit aus, spricht man von einer Pandemie.
Wichtig: Auch eine Krankheit, die nur milde Symptome hervorruft, kann zur Pandemie werden. Hier ist es vor allem die hohe Anzahl Erkrankter, die die Gesundheitssysteme in Schwierigkeiten bringt.

Durchseuchung. Sie beschreibt, wie verbreitet ein Erreger in einer bestimmten Population ist. So negativ der Begriff klingt - eine hohe Durchseuchung kann eine Erkrankung aufhalten. Denn bei vielen Infektionen bildet der Körper schützende Antikörper. Diese sorgen für einen Immunität, d.h. einen Schutz vor erneuter Ansteckung. Eine hohe Durchseuchung würde also bedeuten, dass die Ausbreitung zurückgeht, weil weniger Personen sich infizieren und den Erreger weitergeben.

Herdenimmunität. Ist ein bestimmter Prozentsatz der Bevölkerung gegen eine Erkrankung immun (in aller Regel 95 Prozent einer Population), kann sich ein Erreger nicht ausbreiten, weil die Infektionskette abbricht. Erreicht wird das z.B. durch flächendeckende Impfungen. Aber auch eine hohe Durchseuchung (siehe oben) kann eine Herdenimmunität schaffen. Der Clou: Auch nicht-immune Personen sind so vor einer Ansteckung geschützt.

Es geht noch komplizierter

Noch komplizierter wird es, wenn Wissenschaftler über Ausbreitung und Gefährlichkeit eines Erregers berichten:

Prävalenz. Sie gibt an, wie viele Leute von einer Erkrankung bereits betroffen sind. Die Prävalenz stellt also eine Momentaufnahme dar. Eine niedrige Prävalenz muss aber nicht zwangsläufig positiv sein: Ist eine Erkrankung so schwerwiegend, dass viele Menschen innerhalb kurzer Zeit an ihr versterben, kann die Prävalenz niedriger sein, als bei einer Erkrankung mit leichten Symptomen, die sich über einen langen Zeitraum erstreckt.

Inzidenz. Sie bildet ab, wie viele Menschen in einem bestimmten Zeitraum neu erkrankt sind. Ist ein Erreger sehr ansteckend, ist die Inzidenz hoch, weil sich viele Personen neu infizieren.

Letalität. Sie beschreibt, wie viele der Erkrankten an der Erkrankung verstorben sind. Nicht nur für Corona ist diese Zahl schwer zu ermitteln. Denn: Personen ohne oder mit nur leichten Symptomen werden nicht erfasst. Werden nur schwer Erkrankte bei der Berechnung berücksichtigt, wird die Letalität deutlich überschätzt.

Fazit: Um sich im Fachjargon der Wissenschaftler zurecht zu finden, braucht es einiges an Recherche- und Durchhaltewillen. Wer sich aber an seriöse Quellen wie etwa das Robert-Koch-Institut hält, kann sich in aller Regel auf eine fundierte Interpretation der Faktenlage verlassen.

Quelle: Robert-Koch-Institut u.a.

| Von: Sara Steer Bildrechte:Inara Prusakova/Shutterstock.com

Zyklus nach Wunsch

Blutungen verschieben mit der Pille

Ob vor dem Urlaub, einem Wettkampf oder dem Wellnesswochenende – es gibt viele Gründe, warum Frauen ihre Monatsblutung gerne verschieben oder ganz ausfallen lassen. Bei hormoneller Verhütung, wie der Pille und dem Hormonring, ist das auch ganz leicht möglich. Aber ist das überhaupt gesund?

Abbruchblutung statt Menstruation

Egal ob Hormonring oder Pille – die meisten hormonellen Verhütungsmittel sollen laut Packungsbeilage in einem vierwöchigen Rhythmus eingenommen werden. Nach 21 Tagen folgt eine einwöchige Pause, bevor mit der Einnahme der nächsten Packung gestartet wird. Die Blutung, die durch den Abfall des Hormonspiegels ausgelöst wird, hat dabei wenig mit der natürlichen Monatsblutung zu tun und ist lediglich eine Abbruchblutung. Vielen Frauen gibt dieser Rhythmus aber ein gutes Gefühl, da er einen natürlichen Zyklus simuliert.

Braucht der Körper eine Blutung?

Um den weiblichen Zyklus ranken sich viele Mythen. Zum Beispiel, dass die monatliche Blutung wichtig für die Gebärmutterschleimhaut ist. Auch heute noch stellen sich viele Frauen die Frage, ob sie durch Einnahme der Pille ohne Pause gesundheitliche Schäden fürchten müssen. Wissenschaftler konnten die meisten Ängste mittlerweile ausräumen:

  • Der gefürchtete Blutstau in der Gebärmutter bleibt aus, vielmehr wechselt die Schleimhaut in eine Art Ruhezustand.

  • Das Thromboserisiko ist durch die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel zwar generell leicht erhöht, die Einnahme im Langzyklus steigert dieses Risiko aber nicht weiter.

Viele Ärzten sind sogar von den Vorteilen eines Langzyklus überzeugt, denn ein Ausfall oder Verkürzung der Einnahmepause erhöht die Verhütungssicherheit und reduziert unerwünschte Nebenwirkungen, wie Migräne oder Krämpfe, während der Blutung.

Blutung verschieben – aber wie?

Ob die Blutung lieber auf einen früheren oder späteren Zeitpunkt verschoben wird, liegt in der Hand der Anwenderin. Ein paar einfache Regeln müssen aber stets beachtet werden, um sicher zu gehen, dass der Verhütungsschutz weiterhin besteht.

  • Das hormonfreie Intervall kann verkürzt oder ganz ausgelassen werden. Bei einer Verlängerung der Pause ist Vorsicht geboten, denn hier geht der Verhütungsschutz verloren.

  • Die Einnahme des Hormonpräparats kann um wenige Tage verkürzt werden. Wichtig ist, den Zyklus um nicht mehr als 7 Tage zu verkürzen.

Nicht jedes Präparat ist für die Einnahme im Langzyklus geeignet, vor allem wenn diese Hormone in variierenden Dosen enthalten. Aktuell sind in Deutschland nur wenige Medikamente für diesen Gebrauch offiziell zugelassen, weswegen die Rücksprache mit einem Gynäkologen oder Apotheker auf jeden Fall sinnvoll ist.

Quellen: PTAheute 5 (2020), Nappi et al. 2015, Keck et al. 2019

| Von: Marie Schläfer Bildrechte:ImagePointFr/Shutterstock.com

Putzmittel begünstigen Asthma

Bloß nicht zu viel schrubben!

Wer kleine Kinder hat, sollte es mit dem Putzen besser nicht so genau nehmen: Einer kanadischen Studie zufolge fördern Haushaltsreiniger & Co. die Entwicklung asthmatischer Beschwerden bei Kleinkindern.

Aggressive Inhaltsstoffe

Dass Chemikalien in Haushaltsreinigern die Atemwege von Erwachsenen schädigen, ist schon länger bekannt. Unklar war bisher, ob Rückstände von Putzmitteln mit ihren teils aggressiven Inhaltsstoffen auch Kinderbronchien belasten – zumal sich die Kleinen ja besonders oft in Bodennähe aufhalten.

Um dies herauszufinden, untersuchten kanadische Ärzte über 2000 Kinder von Geburt bis zum Alter von 3 Monaten. Sie entnahmen ihnen wiederholt Blutproben, führten Allergietests (Prick-Test) auf der Haut durch und prüften die Atemfunktion der Kleinen. Jedes halbe Jahr füllten die Eltern Fragebögen aus, in denen sie genaue Angaben zu den heimischen Putzgewohnheiten machten. In ihrer Analyse berücksichtigten die Forscher auch andere Faktoren, die Kinderbronchien schädigen, so z. B. ob im Haushalt geraucht oder Haustiere gehalten wurden oder in der Wohnung Schimmel war.

Vati putzt, Kind keucht …

Das Ergebnis: Je häufiger Fußbodenreiniger, WC-Reiniger, Raumdüfte oder Möbelpolitur benutzt wurden, desto häufiger litten die Kleinen an asthmatischen Beschwerden wie dem wiederkehrenden Wheezing (das ist ein pfeifendes Geräusch beim Ausatmen, das mindestens 15 Minuten anhält) oder typischem Asthma mit Atemnot und Husten. Besonders schädlich waren offenbar Raumdüfte, und zwar in allen Formen. Ob als Spray, verdampft oder aus Steckdosenverneblern, sie führten am häufigsten zu Atemwegsbeschwerden.

Entzündungen durch Chemikalien begünstigen Asthma

Hintergrund dieser Atemwegsbeschwerden sind den Forschern zufolge jedoch keine Überempfindlichkeiten oder Allergien – diese entwickeln sich erst im späteren Lebensalter. Stattdessen rufen vermutlich die in den Putz- und Duftmitteln befindlichen Chemikalien eine chronische Entzündung der Atemwegs-Schleimhäute hervor und verursachen dadurch eine bronchiale Überempfindlichkeit mit nachfolgendem „nicht-allergischem“ Asthma.

Zusatzeffekt fürs Immunsystem

Wer seine Putzwut eindämmt, schützt sein Kind aber nicht nur vor entzündlich bedingten Atemwegsschäden und den drohenden Folgen, betonen die Forscher. Kontakt zu „Dreck“ bzw. zu Mikroben braucht das Immunsystem, um auszureifen und später seltener Allergien zu entwickeln: Der schon länger bekannten Kuhstallhypothese zufolge entwickeln Bauernhofkinder seltener Allergien als Stadtkinder – den Mikroben sei Dank.

Quelle: Springer Medizin

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:sebra/Shutterstock.com

Lärm macht depressiv

Gutenberg-Gesundheitsstudie

Menschen, die sich durch Lärm belästigt fühlen, haben häufiger psychische Probleme. Unklar ist dabei, ob psychisch gestörte Menschen geräuschempfindlicher sind, oder ob Lärm Gesunde tatsächlich psychisch krank macht. Eine aktuelle Studie gibt Antworten.

Mehr Angststörungen und Depressionen

Wer im Alltag einer starken Lärmbelästigung ausgesetzt ist, entwickelt häufig Schlafstörungen und psychische Probleme wie Depressionen und Angststörungen – das ist das Ergebnis der Auswertung von 5-Jahres-Daten aus der Gutenberg-Gesundheitsstudie. Untersucht wurden dabei fast 10 000 Menschen, die zu Beginn der Studie durchschnittlich 54 Jahre alt und psychisch gesund waren.

Etwa 80 % der Teilnehmer fühlten sich über die 5 Jahre hinweg zumindest leicht, 28 % sogar stark gestört durch Lärmbelästigung in ihrem Alltag. Nur 20 % berichteten nicht über Belästigungen durch Lärm. Am Ende der Untersuchung litten die stark vom Lärm Geplagten häufiger an psychischen Problemen als die Lärm-Freien: 12 % von ihnen entwickelten eine Depression, 10% eine Angststörung und 26 % Schlafprobleme. Bei den Menschen ohne Lärmbelästigung betrugen die entsprechenden Häufigkeiten 7, 5 und 16%.

Fluglärm am schlimmsten

Die als am schlimmsten empfundene Lärmquelle war der Flugverkehr. Vor allem Fluglärm am Tage begünstigte die Entwicklung von Depressionen und Angststörungen. Schlafstörungen wurden dagegen am häufigsten durch als lärmend empfundene Nachbarn verursacht.

Die Forscher vermuten einen bidirektionalen Zusammenhang zwischen Lärm und psychischen Problemen. Einerseits erhöhen psychische Leiden die Empfindlichkeit für störende Geräusche. Andererseits zeigt die aktuelle Studie jedoch, dass Lärm psychisch krank machen kann: Er stört Alltagsaktivitäten und Schlaf und ruft negative emotionale Reaktion hervor, die die Entwicklung von Depressionen und Angststörungen bei ursprünglich gesunden Menschen begünstigen.

Quelle: Ärztezeitung

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Prostock-studio/Shutterstock.com

Frühjahrsputz in der Hausapotheke

Abgelaufene Arzneimittel entsorgen

Verbraucher sollten Medikamente, bei denen das Verfalldatum überschritten ist, nicht mehr anwenden und sachgerecht entsorgen. Bei angebrochenen Packungen kann sich die Haltbarkeit sogar auf wenige Wochen beschränken.

Verfalldatum auf Medikamenten verbindlich

Auch, wenn Arzneimittel äußerlich einwandfrei erscheinen, sollten Verbraucher sie nach Erreichen des Verfalldatums entsorgen. Zu lange gelagerte Medikamente können ihre Wirksamkeit verlieren oder sogar schädliche Nebenwirkungen verursachen. Mathias Arnold, Vizepräsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ABDA, warnt: „Immer wieder behaupten selbsternannte Experten, dass man Medikamente auch nach Ablauf des Verfalldatums ohne Risiko einnehmen könne. Das ist falsch.“ Arnold betont:“ Verfalldaten auf Arzneimittelpackungen sind weit mehr als eine Empfehlung. Das unterscheidet sie vom Mindesthaltbarkeitsdatum auf Lebensmitteln.“ Das Verfalldatum basiert auf den Forschungsdaten des Herstellers und ist Teil der Arzneimittelzulassung.

Entsorgung über den Hausmüll

Jede Arzneimittelpackung ist mit einem Verfalldatum gekennzeichnet, erkennbar an der Angabe „verwendbar bis“. Industriell hergestellte Medikamente sind in der Regel mehrere Jahre haltbar. Für bereits angebrochene Packungen, Flaschen oder Ampullen wie beispielsweise Augentropfen verkürzt sich die Aufbrauchfrist oft deutlich.

Nicht gefährliche, abgelaufene Medikamente gehören in aller Regel in den Hausmüll, da in den meisten Gemeinden die Altmedikamente mit dem Restmüll verbrannt und somit sicher vernichtet werden. Ob in Ihrer Kommune davon abweichende Regelungen bestehen, lässt sich beispielsweise bei der Abfallberatung in Erfahrung bringen. Alternative Entsorgungswege sind die Problemabfallsammlung oder auch Apotheken, die dazu bereits sind, alte Medikamente zurückzunehmen.

Quelle: ABDA

| Von: Simone Lang Bildrechte:Andrey_Popov/Shutterstock.com
Die Schnupfenursache bestimmt die Wahl des richtigen Nasensprays.

Das richtige Nasenspray wählen

Hilfe bei Allergie und Erkältung

Eine zugeschwollene Nase und Schnupfen –  dagegen helfen Nasensprays. Diese gibt es mit unterschiedlichen Wirkstoffen, je nachdem, ob eine Allergie oder eine Erkältung die Beschwerden verursacht. Wann welche Mittel helfen.

Erkältung oder Heuschnupfen?

Die ersten Pollen fliegen. Das macht es für Schnupfen-Geplagte schwierig, zu unterscheiden, ob eine Erkältung oder ein Heuschnupfen ihre Beschwerden verursacht. Zwar werden beide Erkrankungen mit Nasensprays behandelt, doch je nach Ursache kommen unterschiedliche Wirkstoffe zum Einsatz. Dr. Volker Schmitt, Pressesprecher der Apotheker in Bayern, erläutert: „Häufig verlangen Patienten Präparate, die sie aus der Werbung kennen, die aber gegen die individuellen Beschwerden nicht immer optimal sind. Wer in der Selbstmedikation Arzneimittel braucht, sollte sich deshalb in der Apotheke beraten lassen."

Erkältung mit abschwellenden Nasentropfen behandeln

Erkältungsschnupfen entsteht durch eine Infektion mit Viren: Typische Anzeichen sind eine verstopfte Nase. Das Sekret ist häufig dickflüssig und gefärbt. Um den Erkältungsschnupfen richtig zu behandeln, braucht man Nasensprays mit Wirkstoffen, die die Nasenschleimhaut abschwellen lassen. Apotheker Schmitt rät: „Abschwellende Nasensprays sollten nicht länger als fünf Tage am Stück angewendet werden, weil sie die Schleimhäute austrocknen und schädigen. Außerdem kann es zur Gewöhnung kommen. Gegen den kurzfristigen Einsatz ist nichts einzuwenden.“

Gegen Allergien helfen Antihistaminika und Kortison

Wer an Heuschnupfen leidet, klagt meist über eine juckende Nase, angeschwollene Schleimhäute und brennende Augen. Typisch ist ein Fließschnupfen mit einem dünnflüssigen, fast wasserklaren Sekret. Je nach Pollenflug halten die Beschwerden mehrere Wochen lang an. Gegen allergiebedingten Fließschnupfen gibt es in der Apotheke rezeptfreie Medikamente: Antihistaminika. Sie lindern die Heuschnupfen-Symptome schnell. Daneben bietet sich der vorübergehende Einsatz von Nasensprays mit Kortison-Abkömmlingen an, die abschwellend und entzündungshemmend wirken. In niedriger Dosierung gibt es diese Sprays rezeptfrei in der Apotheke.

Kortisonfreie Sprays bei Allergie

Eine kortisonfreie Alternative gegen Allergien bieten homöopathische Heuschnupfenmittel. Darüber hinaus gibt es Präparate, die dem Schnupfen vorbeugen, indem sie die Freisetzung allergisch wirkender Substanzen im Körper verhindern. Letztere müssen mindestens 14 Tage vor der Pollensaison angewendet werden, damit sie rechtzeitig ihre volle Wirkung entfalten.

Heuschnupfen konsequent behandeln

Dr. Schmitt empfiehlt, Heuschnupfen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: „Wird Heuschnupfen nicht rechtzeitig und konsequent behandelt, kann sich ein allergisches Asthma entwickeln. Deshalb raten wir allen Patienten, bei denen die  Beschwerden wie Fließschnupfen oder häufiges Niesen erstmals auftauchen, sich an ihren Arzt zu wenden.“

Quelle: BLAK

| Von: Sandra Göbel/Bayerische Landesapothekerkammer Bildrechte:Alliance/Shutterstock.com

Allzweckwaffe Probiotika?

Prä- und Probiotika richtig einsetzen

Mittlerweile haben schon viele Gesundheitsinteressierte von „guten“ Bakterien im Darm gehört und möchten ihrer Gesundheit durch Pro- und Präbiotika auf die Sprünge helfen. Aber wo liegt überhaupt der Unterschied zwischen Prä- und Probiotika und wann lohnt es sich, sie einzunehmen?

Probiotika, Präbiotika, Synbiotika – Wo liegt der Unterschied?

Auf der Haut und im Darm tummeln sich Milliarden von Mikroorganismen. Diese Lebensgemeinschaft, das sogenannte Mikrobiom, ist essenziell für unsere Gesundheit. Forscher haben festgestellt, dass viele Krankheiten zusammen mit einer Störung des sensiblen Gleichgewichts der Mikroorganismen im Darm, einer Dysbiose, auftreten. Durchfallerkrankungen, Adipositas und Diabetes mellitus Typ II sind nur einige wenige Beispiele. Ob die Dysbiose die Krankheit verursacht, oder Folge der Erkrankung ist, ist oft noch nicht geklärt. Forscher hoffen trotzdem, die Beschwerden zu heilen, indem sie das Gleichgewicht im Darm wiederherstellen. Zur Beeinflussung des Darmmikrobioms gibt es bisher drei verschiedene Ansätze:

  • Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die den Darm positiv beeinflussen. Als Tablette eingenommen müssen sie säureresistent sein, um die Säure im Magen zu überleben.

  • Präbiotika sind Nahrungsbestandteile, die der Mensch nicht verdauen kann und die den Bakterien als Nahrung dienen. Durch Ihre Einnahme lassen sich die erwünschten Bakterien quasi „heranzüchten“.

  • Synbiotika sind eine Mischung aus Prä- und Probiotika. Hier werden die Bakterien also gleich mit dem richtigem „Bakterienfutter“ eingenommen.

Heilung durch Probiotika?

Viele Studien zeigen, dass Prä- und Probiotika die Heilung von Krankheiten unterstützen, zum Beispiel bei entzündlichen Darmerkrankungen oder Durchfall. Die wahllose Einnahme von Probiotika ist allerdings wenig sinnvoll. Oft wirken einzelne Bakterienstämme nämlich nur bei ganz bestimmten Krankheiten. Um das richtige Präparat auszuwählen, hilft deswegen oft ein Gespräch mit dem Arzt oder Apotheker, die mit der momentanen Studienlage vertraut sind.

Quelle: PTA heute THEMA; Ausgabe 1; 2020, World Gastroeneterology Organisation

| Von: Marie Schläfer Bildrechte:metamorworks/Shutterstock.com