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Toxisches Schocksyndrom bei Frauen

Menstruationshygiene beugt vor

Zwar sind nicht nur Frauen betroffen – dennoch ist das toxische Schocksyndrom noch immer vor allem als „Tamponkrankheit“ bekannt. Mit welchen Maßnahmen Frauen ihr Ansteckungsrisiko minimieren.

Häufig junge Menschen betroffen

Blutvergiftung, Lungenentzündung, Endokarditis: Das Bakterium Staphylococcus aureus ist an vielen lebensbedrohlichen Erkrankungen beteiligt. Dazu gehört auch das toxische Schocksyndrom (TSS). Zumeist kommt es bei jungen Menschen vor, die bislang keinen Kontakt mit dem Erreger hatten und deren Körper darum noch keine Antikörper gebildet hat. Beschwerden treten nach einer Ansteckung schnell auf, typisch sind Kopfschmerzen, Schwindel, hohes Fieber, Blutdruckabfall und sonnenbrandähnlicher Hautausschlag. Im Falle einer Ansteckung ist grundsätzlich ein Arzt aufzusuchen.

Tampons häufig wechseln, um TSS vorzubeugen

Früher galt das TSS als Menstruationskrankheit, die vor allem durch den Gebrauch hochsaugfähiger Tampons entstünde. Zwar ist mittlerweile klar, dass die meisten Infektionen nicht-menstruell erfolgen – zum Beispiel über Hautwunden oder als Grippe-Komplikation, weshalb auch Männer und Kinder vom TSS betroffen sind. Dennoch empfiehlt sich für Frauen eine gute Menstruationshygiene, um kein unnötiges Risiko einzugehen:

  • vor und nach dem Einführen eines Tampons gründlich die Hände waschen
  • die Stärke des Tampons der aktuellen Blutungsstärke anpassen
  • an Tagen mit stärkerer Blutung den Tampon alle 3 bis 6 Stunden wechseln, ansonsten alle 6 bis 8 Stunden
  • den Tampon vor dem Zubettgehen und nach dem Aufstehen wechseln.


Fragen zur Menstruationshygiene können in der frauenärztlichen Sprechstunde gestellt werden.

Quelle: Frauenärzte im Netz

| Von: Leonard Olberts Bildrechte:gpointstudio/Shutterstock.com

Jogger leben länger

Eine Stunde Laufen reicht

Joggen hält gesund. Sogar unabhängig davon, wie intensiv man seine Runden dreht: Schon etwa 50 Minuten Laufzeit pro Woche lassen Jogger länger leben als Nicht-Jogger, ergab nun die aktuelle Analyse von 14 Studien zum Thema Joggen und Gesundheit.

Herz-Kreislauf-Risiko reduziert

Schützt Joggen vor dem frühzeitigen Tod an Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Krebs? Dieser Frage ging ein Forscherteam mit Hilfe einer Metaanalyse nach. Dafür berücksichtigten sie die Daten von 14 Studien, in denen bei insgesamt mehr als 230 000 Teilnehmern der Zusammenhang zwischen Joggen und Todesart untersucht worden war. Ausgeschlossen wurden die Daten von Menschen, die schon zu Studienbeginn an Krebs oder Herz-Kreislauferkrankungen litten.

Besonders interessant für alle, die glauben, zu wenig Zeit für das Lauftraining zu haben: Die Analyse zeigte nicht nur, dass Jogger im Vergleich zu Nicht-Joggern ein niedrigeres Risiko haben, an Krebs oder Herz-Kreislauferkrankungen zu versterben (30% bzw. 23%). Es kam auch heraus, dass man sich für diesen positiven Effekt gar nicht so lange quälen muss.

Schon einmal Laufen pro Woche bringt etwas

Denn die errechnete Verminderung der Sterblichkeit hing nicht von der Dauer oder der Häufigkeit der Läufe ab. Schon wer nur einmal wöchentlich oder insgesamt etwa 50 Minuten pro Woche seine Runden drehte, profitierte von dem Jogging-Effekt. Eine Art Dosis-Wirkungs-Kurve ließ sich anhand der Daten nicht darstellen, mehr Laufen reduzierte die Sterblichkeit also nicht automatisch.

„Joggen, egal wie viel, ist in jedem Fall besser als nicht zu joggen“, folgern die Studienautoren aus den Ergebnissen. Für kranke Menschen müsse jedoch individuell entschieden werden, welche sportliche Betätigung angebracht ist und in welcher Intensität sie ausgeführt werden soll.

Quelle: BMJ

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Dejan Stanic Micko/Shutterstock.com

Masern schwächen Immunsystem

Abwehr langfristig beeinträchtigt

Eine Masernerkrankung ist nicht nur aufgrund ihrer direkten Komplikationen wie z. B. einer Masern-Gehirnentzündung gefährlich. Masernviren schädigen das gesamte Immunsystem so nachhaltig, dass die betroffen Kindern in den nächsten Jahren ein erhöhtes Risiko für weitere Infektionskrankheiten haben.

Immungedächtnis massiv gestört

Auch wenn es Impfgegner immer wieder behaupten: Masernviren sind alles andere als harmlos und können einen weitaus größeren Schaden anrichten als Hautausschlag mit Juckreiz. Dabei drohen nicht nur die bekannten akuten Komplikationen wie Lungen- und Gehirnentzündungen. Forscher haben jetzt herausgefunden, dass Masern das Immunsystem langfristig erheblich schwächen.

So ergab die Analyse der Blutproben von 77 Masernkindern, dass Masernviren neben den B- und T-Lymphozyten noch zahlreiche weitere Zellarten des Immunsystems befallen und zum Absterben bringen. Besonders stark waren die Gedächtniszellen betroffen, also die Zellen, die gegen ein Antigen sensibilisiert sind und bei erneutem Kontakt für eine schnelle Abwehrreaktion sorgen.

Auch Antikörper eliminiert

Doch Masernviren zerstören nicht nur die Zellen des Immunsystem. Sie machen auch kurzen Prozess mit den im Blut zirkulierenden Antikörpern. 2 Monate nach der Maserninfektion waren im Blut der Kinder bis zu 73% der ursprünglich vorhandenen und gegen die verschiedensten Erreger gerichteten Antikörper verschwunden. Das bedeutet, dass die betroffenen Kinder gegen diese Erreger für einen Zeitraum von 2 bis 3 Jahren weniger gut geschützt waren.

Eine Infektion mit Masernviren fördert deshalb nicht etwa die Immunabwehr, wie Impfgegner behaupten. Stattdessen schwächen Masernviren das Immunsystem, bewerten die Forscher ihre Ergebnisse. Zwar baut es im Laufe der Jahre erneut Antikörper auf. In der Zwischenzeit können Krankheiten aber deutlich heftiger ausfallen. Hundertausende Todesfälle sollen den Studienautoren zufolge auf das Konto eines maserngeschwächten Immunsystems gehen.

Impfen schützt vor Masern und vor Abwehrschwäche

Die Impfung selbst hinterlässt keine derartige Immunschwäche. Im Gegenteil: Sie sorgt durch Verhütung der Maserninfektion dafür, dass Maserviren ihren immunschwächenden Einfluss gar nicht erst ausüben können. Auch Kinder mit Masern könnten von der Impfung noch profitieren, mutmaßen die Forscher. Denn womöglich ließen sich die Langzeitfolgen auf das Immunsystem durch eine Impfung während der Erkrankung abmildern.

Quelle: Science

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Aleksandra Suzi/Shutterstock.com

Platzangst ist gut behandelbar

Bewegungsfrei dank Psychotherapie

Personen mit Agoraphobie verspüren an bestimmten Orten eine starke Angst. Dies kann ihre Bewegungsfreiheit stark einschränken. Doch es gibt Behandlungsmöglichkeiten.

Panikstörung oft als Begleitsymptom

Ausgelöst wird Agoraphobie in der Regel durch spezifische Orte oder Situationen. „Platzangst tritt typischerweise bei Aufenthalten an großen, weiten Orten und öffentlichen Plätzen auf“, erklärt Dr. Sabine Köhler vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) mit Sitz in Krefeld. „Doch auch enge, überfüllte Räume sind problematisch, wie beispielsweise öffentliche Verkehrsmittel, Kinos oder enge Supermärkte. Betroffene leiden unter großer innerer Anspannung und einer starken emotionalen Belastung.“ Personen mit Agoraphobie fürchten sich, bei Vorfällen nicht schnell genug Hilfe zu erhalten oder fliehen zu können. Auch die Sorge vor beschämenden Situationen kann im Zentrum der Angst stehen. Oft löst allein der Gedanke an diese Orte oder Situationen eine Angstattacke aus. Zu Hause oder in Anwesenheit einer vertrauten Person fühlen sich viele Betroffene sofort sicherer und die Angst verschwindet.
Parallel zu dieser Angst können Betroffene eine Panikattacke erleben, die losgelöst von spezifischen Auslösern auftritt. „Eine Panikattacke geht mit überwältigenden Symptomen wie Herzrasen, Atemnot, Schwindel und auch Entfremdungsgefühlen bis hin zur Todesangst einher“, erklärt die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Dr. Köhler. „Solche Attacken sind nicht vorhersehbar und können Betroffene zutiefst erschüttern und verunsichern. Im Mittel dauern sie etwa 30 Minuten an“. Körperliche Ursachen dieser physischen Anzeichen können nicht festgestellt werden. Im Zuge der Panikstörung entwickeln viele der Betroffenen zusätzlich eine Angst vor der Angst, die von Fachärzten als Erwartungsangst bezeichnet wird.

Behandlung: Psychotherapie und gegebenenfalls Medikamente

Der Agoraphobie zugrunde liegen häufig persönliche Krisen, die von den Betroffenen als existenziell bedrohlich empfunden werden. Die Patienten unterschätzen oft ihre Bewältigungsmöglichkeiten, auf diese Anforderungen zu reagieren. Dies beeinträchtigt zugleich ihr Selbstwertgefühl. „Mit einer gezielten psychotherapeutischen Behandlung kann Menschen, die unter Panikattacken und Agoraphobie leiden, aber in relativ kurzer Zeit geholfen werden“, rät Dr. Köhler. „Günstig ist immer eine möglichst zeitnahe Therapie – auch damit sich keine Folgeerkrankungen wie eine Depression oder eine Suchterkrankung entwickeln.“ Besteht eine ausgeprägte Angststörung, erwägen Fachärzte eine zusätzliche medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva.

Quelle: Neurologen und Psychiater im Netz

| Von: Julia Schmidt Bildrechte:Miss Ty/Shutterstock.com

Was hilft gegen Haarausfall?

Vererbt, verstärkt oder kreisrund

Jeder Mensch verliert etwa 100 bis 150 Haare am Tag – das ist völlig normal und gehört zum Haarlebenszyklus dazu. Die ausgefallenen Haare machen nämlich die Haarwurzeln für ein gesundes, neues Haar frei. Doch was hilft, wenn deutlich mehr Haare ausfallen?

Oft sind die Gene Schuld

Übermäßiger Haarausfall hat viele Gründe. Eine der häufigsten Formen ist der erblich bedingte Haarausfall, die sogenannte androgenetische Alopezie, die sich bei Männern und Frauen etwas unterscheidet.

  • Bei Männern beginnt der erblich bedingte Haarausfall oftmals im frühen Erwachsenenalter. Bemerkbar macht er sich durch Geheimratsecken, eine Tonsur oder eine Glatze.
  • Bei Frauen wird das Kopfhaar vor allem im Scheitelbereich lichter – eine Glatze entsteht in der Regel nicht. Die androgenetische Alopezie beginnt häufig erst nach den Wechseljahren, wenn die Östrogen-Level sinken.

Gegen den erblich bedingten Haarausfall gibt es eine Vielzahl von angepriesenen „Wundermitteln“. Hier ist Vorsicht angesagt: Bei vielen der kosmetischen Mittel fehlt jeder Wirknachweis. Im Moment in Handel sind der Wirkstoff Minoxidil oder – bei Männern – auch das rezeptpflichtige Finasterid.

Einsparmodus unter Stress

Auch psychischer Stress, ein Nährstoffmangel, hormonelle Schwankungen (z. B. in den Wechseljahren), eine Hormonersatztherapie oder bestimmten Medikamente können zu einem vermehrten Ausfallen von Haaren führen. Grund hierfür ist, dass der Körper unter Stress – egal welcher Ursache – alle Funktionen einschränkt, die nicht überlebensnotwendig sind. Das lässt sich neben dem Nagel- und Haarwachstum z. B. auch gut beim Muskelaufbau beobachten.

Nach besonders traumatischen Ereignissen, wie z. B. nach einem Autounfall, kann es sein, dass die Haare sofort ausfallen. Häufiger ist jedoch der subakute Haarausfall, bei dem ein Stressfaktor über längere Zeit besteht. Dann fallen die Haare langsam und etwa zwei bis drei Monate später aus. In diesem Fall hängt die Therapie von dem Auslöser ab. Meist sind es mehrere Ursachen, z.B. eine Mischung aus psychischem Stress und Nährstoffmangel.

Die Haarbehandlung besteht dann aus zwei Dingen: spezielle Zubereitungen, wie z. B. Minoxidil-Lösungen, werden direkt auf die Kopfhaut gegeben und stimulieren die Haare. Des Weiteren wird der Hautarzt Nährstoffe empfehlen, die das Haarwachstum fördern. Diese nimmt der Patient entweder ein, z. B. als Tabletten, oder der Hautarzt injiziert sie direkt einige Millimeter unter die Kopfhaut (Mesotherapie).

Mikronährstoffe können die Behandlung unterstützen – allerdings nur dann, wenn auch ein Mangel besteht. Denn fehlen dem Körper Spurenelemente, wie Eisen und Zink, oder Vitamine, wie Vitamin B12, kann dies einen Haarausfall begünstigen. Tipp: die Grünalge Chlorella ist reich an Vitamin B12 sowie Eisen und kann als pflanzliches Produkt auch von Veganern eingenommen werden.

Typische Kreisform bei Autoimmunerkrankungen

Die dritthäufigste Form ist der „kreisrunde Haarausfall“, die sogenannte Alopecia areata. Typisch sind hier runden, kahlen Stellen auf dem Kopf. Verursacht wird diese Form des Haarausfalls vermutlich durch eine Autoimmunerkrankung. In diesem Fall sollte man auf keinen Fall selbst experimentieren, sondern lieber einen Arzt aufsuchen.

Quelle: Pharmazeutische Zeitung und Allgemeinarzt-online

| Von: Dr. Silke Kescher-Hack Bildrechte:IlyaAndriyanov/Shutterstock.com

Plötzliche Gesichtslähmung

Auch „harmlose“ Ursache möglich

Ein hängender Mundwinkel, plötzlich erschlaffte Gesichtsmuskeln – Symptome, die sofort an einen Schlaganfall denken lassen. Doch nicht immer steckt eine gefährliche Erkrankung dahinter.

Bei plötzlicher Gesichtslähmung immer zum Arzt

Eine plötzlich auftretende, halbseitige Lähmung der Gesichtsmuskulatur muss immer zeitnah abgeklärt werden. Im schlimmsten Fall weist sie auf einen Schlaganfall hin, in manchen Fällen liegt hingegen nur eine idiopathische Fazialisparese zugrunde. Im Gegensatz zu einem Schlaganfall ist diese weniger akut und bildet sich in der Regel innerhalb weniger Wochen bis Monate vollständig zurück. „Bei der idiopathischen Fazialisparese kommt es typischerweise zu einem hängenden Mundwinkel sowie gelegentlich auch Missempfindungen in Bereich der gleichen Wange“, berichtet Prof. Dr. Gereon Nelles vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN). „Oftmals ist das Schließen des Augenlids nicht vollständig möglich und es können Geschmacksstörungen auftreten sowie seltener eine Überempfindlichkeit gegenüber Schall.“

Behandlung: Arznei und Krankengymnastik

Ursächlich für eine idiopathische Fazialisparese ist eine zeitweise Funktionsstörung des Gesichtsnervs, hervorgerufen etwa durch eine Überreizung oder Entzündung des Nervs. Um die Rückbildung der Lähmung zu fördern, empfehlen viele Mediziner die Einnahme von entzündungshemmenden Mitteln. Unterstützend wirken krankengymnastische Übungen, die nach vorheriger Anleitung selbst vor einem Spiegel durchgeführt werden können. Ist der Lidschluss nicht mehr komplett ausführbar, helfen künstliche Tränen, die Augen vor dem Austrocknen zu bewahren.

Quelle: Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN)

| Von: Sandra Göbel Bildrechte:YAKOBCHUK VIACHESLAV/Shutterstock.com

Blutdrucksenker abends einnehmen?

Weniger Herzinfarkte

Viele Menschen mit hohem Blutdruck schlucken ihre Blutdrucksenker gleich morgens nach dem Aufwachen. Schon lange ist aber in Diskussion, ob nicht die abendliche Einnahme von Blutdrucksenkern besser ist. Dafür sprechen auch die Ergebnisse einer aktuellen spanischen Studie.

Abendliche Einnahme wirksamer

Um Folgekrankheiten und Blutdruckspitzen zu vermeiden, ist bei Bluthochdruck die tägliche Tabletteneinnahme Pflicht. Weil morgens und nachmittags meist besonders hohe Werte gemessen werden, raten viele Ärzte dazu, die Blutdrucksenker morgens zu schlucken. Der richtige Einnahmezeitpunkt von Hochdruckmedikamenten wird jedoch immer wieder diskutiert. Ob nun die Einnahme am Morgen oder am Abend besser ist, wollten spanischen Forscher anhand einer Studie mit über 19 000 Hochdruckpatienten klären.

Die Hälfte der Studienteilnehmer wurde aufgefordert, ihren Blutdrucksenker abends einzunehmen, die andere Hälfte schluckte ihn nach dem Aufwachen. Innerhalb der nächsten 6 Jahre prüften die Ärzte mindestens einmal jährlich den Blutdruck mit einem Langzeitblutdruckmesser, der 48 Stunden am Körper getragen wurde. Dabei zeigte sich, dass die abendliche Einnahme den Blutdruck besser senkte, und zwar sowohl tagsüber als auch nachts.

Herzinfarkt-Risiko halbiert

Die abendliche Einnahme reduzierte auch ernsthafte Folgeerkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt. In der Abendgruppe war das Risiko, daran zu sterben, fast um die Hälfte niedriger als bei den Bluthochdruckpatienten, die ihre Blutdrucksenker morgens einnahmen. Das passt zu Ergebnissen früherer Untersuchungen, bei der vor allem Schlaganfall und Herzinfarkt in Verbindung mit erhöhten nächtlichen Werten gebracht werden.

Langzeitblutdruck-Messung bestimmt Einnahmezeitpunkt

Für viele Patienten mag die abendliche Einnahme ihrer Blutdrucksenker besser sein als die Einnahme nach dem Aufwachen. Eine generelle Empfehlung dafür möchten die Autoren trotz dieser Ergebnisse nicht geben, denn für eine wirksame Therapie müssten auch Faktoren wie der persönliche Tag-Nacht-Rhythmus und z. B. Schichtarbeit mit einbezogen werden. Sinnvoll sei es aber, aufgrund von Langzeitblutdruckmessungen individuell zu entscheiden, ob morgens oder abends der bessere Einnahmezeitpunkt für den Patienten ist.

Quelle: Ärzteblatt

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Andrey_Popov/Shutterstock.com

Keine Kuhmilch nach der Geburt

Risiko Nahrungsmittelallergie

Wer seinem Baby in den ersten Lebenstagen Kuhmilch zufüttert, riskiert vielleicht, dass das Kind eine Nahrungsmittelallergie entwickelt. Das gilt vor allem für Neugeborene aus Allergie-belasteten Familien, wie japanische Forscher kürzlich herausgefunden haben.

Zuckerwasser oder Kuhmilch

Das Beste fürs Baby ist die Muttermilch – deshalb empfiehlt man in japanischen Geburtskliniken konsequent das Stillen. Doch in Japan wollen viele junge Eltern ihrem Kind die ersten Lebenstage zusätzlich versüßen: Früher erhielten die Säuglinge dafür etwas Zuckerwasser, heute geben die frischgebackenen Eltern ihren Neugeborenen gerne ein wenig Kuhmilch dazu. Nun ist auch in Japan die Zahl der Nahrungsmittelallergien gestiegen, eine mögliche Ursache soll die frühe Gabe von Kuhmilch sein.

Dies zu prüfen war Ziel einer Studie an 312 Neugeborenen, die aufgrund familiärer Veranlagung schon ein erhöhtes Allergierisiko hatten. Die Kinder wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die Kuhmilch-Gruppen-Kinder erhielten in den ersten 3 Lebenstagen täglich bis zu 5 ml Kuhmilch zusätzlich zur Muttermilch, Kinder der Vergleichsgruppe bekamen, wenn erforderlich, eine auf Aminosäuren basierte Ersatzkost.

Mehr Antikörper, mehr Nahrungsmittelallergien

An ihrem zweiten Geburtstag wurden die Kinder einbestellt und untersucht, ob sie gegen Kuhmilcheiweiß sensibilisiert waren. Dazu bestimmten die Forscher die IgE-Antikörper im Blut. Von den Kindern, die in ihren ersten 3 Lebenstage kuhmilchfrei ernährt worden waren, wiesen nur 24 (16,8%) erhöhte IgE-Werte auf. Bei den Kuhmilch-Kindern waren dies signifikant mehr, nämlich 46 Kinder (32,2 %).

Solche IgE-Tests sind zwar ein Hinweis, aber bezüglich der Allergiediagnose nicht allein beweisend. Deshalb untersuchten die Forscher die Kinder auch auf tatsächlich allergische Beschwerden. Tatsächlich litten unter einer klinischen, also bemerkbaren und im Test provozierbaren Nahrungsmittelallergie nur 4 der kuhmilchfreien, aber 20 der Kinder aus der Kuhmilch-Gruppe.

Der richtige Kuhmilch-Zeitpunkt bleibt unklar

Nach diesen Ergebnissen sollten vor allem Neugeborene, in deren Familien schon Nahrungsmittelallergien bekannt sind, in den ersten Lebenstagen keine Kuhmilch erhalten. Auch in den Wochen danach war das Sensibilisierungsrisiko geringer, je später die Kuhmilch auf den Ernährungsplan der Babys trat, berichten die Studienautoren.

Doch wann genau der richtige Zeitpunkt für Kuhmilch ist, muss durch weitere Untersuchungen geklärt werden. Frühere Studien legen nahe, dass eine zu späte Exposition das Risiko für eine Sensibilisierung gegen Kuhmilchproteine ebenfalls erhöhen kann.

Quelle: Ärzteblatt

| Von: Dr. med Sonja Kempinski Bildrechte:wong sze yuen/Shutterstock.com

Nächtliches Asthma: Was tun?

Hustenanfälle im Schlaf lindern

Nächtliche Hustenanfälle sind für Asthma-Patienten besonders belastend. Lässt sich der potenzielle Auslöser herausfinden, können die Beschwerden aber gelindert werden.

Auslöser für nächtliches Asthma herausfinden

Asthma-Patienten haben in der Nacht ein besonders hohes Anfallrisiko. Die Weite der Bronchien unterliegt nämlich einem Tag-Nacht-Rhythmus: Tagsüber sind sie geweitet, nachts eher verengt. „Dieser Rhythmus tritt bei allen Menschen auf, bei Asthmatikern können sich die Beschwerden aber dadurch verstärken“, erklärt Lungenfacharzt Dr. Andreas Hellmann. „Außerdem kann eine liegende Position während des Schlafens den Atemwiderstand erhöhen, weil sich Sekrete zum Beispiel aus den Stirn- und Nasennebenhöhlen in den Atemwegen ansammeln. Zugleich fließt beim Liegen mehr Blut in die Lunge, so dass sich das Lungenvolumen verringert.“
Hellmann rät, die nächtlichen Asthmabeschwerden dem behandelnden Lungenarzt mitzuteilen, um gemeinsam mit ihm die Ursache herauszufinden. Nimmt der Patient Medikamente, ist zuallererst deren Dosierung zu überprüfen. Daneben müssen Risikofaktoren für nächtliche Asthmaanfälle überprüft werden. So lässt Sodbrennen durch den Rückfluss von Magensaft in die Speiseröhre die Bronchien verkrampfen, während Allergien eine Entzündung der Bronchialschleimhaut und dadurch eine verlängerte Engstellung der Atemwege nach sich ziehen können.

Asthma-Patienten sollten Plan mit Lungenarzt aufstellen

Die Therapie nächtlicher Asthmaanfälle richtet sich nach der ermittelten Ursache und ist zumeist medikamentös. „Betroffene sollten gemeinsam mit ihrem Lungenarzt bzw. ihrer Lungenärztin einen Plan aufstellen, wie sich potenzielle Auslöser und Trigger und damit die nächtlichen Asthmabeschwerden vermeiden lassen“, rät Hellmann.

Quelle: Lungenärzte im Netz

| Von: Leonard Olberts Bildrechte:vchal/Shutterstock.com

Atropin bei Kurzsichtigkeit?

Neue Therapien sparen Dioptrien

Immerhin 30 % der deutschen Bevölkerung leidet inzwischen unter Kurzsichtigkeit (Myopie). Diese beginnt meist in der Kindheit, verschlechtert sich aber bis zum Erwachsenenalter immer weiter. Neue Therapieansätze versprechen nun, das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit zu stoppen.

Früh eingreifen

Wissenschaftler beschäftigen sich aktuell in zahlreichen Ländern damit, die Entwicklung der Kurzsichtigkeit vor allem bei Kindern und Jugendlichen aufzuhalten. „Je eher die Myopie beginnt, desto stärker ausgeprägt wird sie gegen Ende des Jugendalters sein“, erklärt Wolf Lagrèze, Leiter der Sektion Neuroophthalmologie, Kinderophthalmologie und Schielbehandlung an der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg.
Zwei Therapieansätze haben sich dabei bislang bewährt: Die Behandlung mit Atropin-Augentropfen – einem Gift aus der Tollkirsche und speziell angefertigte Brillen mit 2 Sehstärken, die das Auge überlisten. Beide zielen darauf ab, das Längenwachstum des Augapfels zu stoppen – denn ein zu langer Augapfel ist in aller Regel die Ursache für die Kurzsichtigkeit.

Atropin bremst Fortschreiten der Kurzsichtigkeit

Bislang wurde Atropin vor allem von Augenärzten genutzt, um die Pupillen für die Augenuntersuchung weit zu stellen. Nun konnten Wissenschaftler mit 0,01 %igem Atropin auch das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit bei Kindern verlangsamen. Neben zwei weiteren Publikationen bestätigt eine kleine Pilotstudie aus Freiburg die Ergebnisse. Dort wurden 56 Kinder im Alter zwischen 6 und 17 Jahren 12 Monate lang mit Atropin-Augentropfen behandelt. Obwohl sich die Augen der Kinder vor Beginn der Therapie jährlich im Durchschnitt um 1,05 Dioptrien verschlechterten, waren es nach der Behandlung nur 0,40 Dioptrien mehr.
Wie Atropin das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit bremst, ist noch unklar. Wissenschaftler vermuten, dass bestimmte Zellen der Netzhaut unter der Therapie den Botenstoff Dopamin freisetzen, was das Längenwachstum des Auges stoppt.
Nebenwirkungen in dieser geringen Konzentration gibt es kaum: Augenärzte beobachten lediglich eine leichte Erweiterung der Pupillen. Allerdings ist die Therapie in Deutschland noch nicht zugelassen. Wünschen Eltern dennoch eine Behandlung, müssen sie diese selbst bezahlen.

Mehrstärkenbrillen bremsen Längenwachstum des Auges

Auch mit speziellen Mehrstärkenbrillen versuchen Augenärzte aktuell das Längenwachstum der Augen aufzuhalten. Mehrstärkenbrillen bündeln das einfallende Licht an der „Stelle des schärfsten Sehens“ direkt auf der Netzhaut, und ermöglichen den Brillenträgern auch entfernte Objekte scharf zu erkennen. An allen anderen Stellen wird das Licht kurz vor der Netzhaut gebündelt – diese bleiben also leicht unterkorrigiert und bremsen das weitere Augenwachstum (näheres siehe Myopie). In China sind solche Spezialbrillen bereits auf dem Markt und sollen ab Mitte 2020 auch in Europa verkauft werden. Ihr Effekt ist allerdings nicht so stark wie die Behandlung mit Atropintropfen.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

| Von: Dr. Rita Wenczel Bildrechte:Romrodphoto/Shutterstock.com

Die Angst als ständiger Begleiter

Angststörungen mutig überwinden

Studien zufolge liegt das Risiko, im Laufe des Lebens an einer Angststörung zu erkranken, bei 14 bis 29 Prozent – damit sind Angststörungen vor Depressionen die häufigste psychische Erkrankung. Doch wie lässt sich die Angst überwinden?

Symptome einer Angststörung sind vielfältig

Ob beim Zahnarztbesuch, vor einer wichtigen Prüfung oder aufgrund einer möglichen Terrorgefahr – jeder von uns hat manchmal Angst. Werden die Ängste jedoch so stark, dass sie den Alltag der Betroffenen massiv beeinträchtigen, spricht man von einer Angststörung. „Krankhafte Angst liegt dann vor, wenn Menschen bei Ängsten nicht in der Lage sind, ihre Gedanken und Gefühle kontrollieren zu können“, erklärt Prof. Arno Deister von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde.
Im Alltag nehmen krankhafte Ängste sehr unterschiedliche Formen an, wie der Experte weiß: „Behandlungsbedürftige Ängste können sich einerseits sehr heftig in Form einer Panikattacke zeigen, die scheinbar aus dem Nichts auftritt und mit Atemnot und Beklemmung sowie Schwindel bis hin zur Todesangst einhergeht. Andererseits können krankhafte Ängste aber auch ‚im Stillen‘ verlaufen. Sie zeigen sich dann etwa in Form von zermürbenden Grübelgedanken, die nicht kontrolliert und abgestellt werden können, sowie ausgeprägten, katastrophierenden Sorgen bei alltäglichen Situationen.“

Angststörungen sind gut behandelbar

Trotz ihrer Heftigkeit sind Angststörungen heute vergleichsweise gut behandelbar. Häufig empfiehlt sich die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie, bei der Gedanken und Verhalten in Bezug auf die Ängste gemeinsam mit dem Therapeuten verändert werden. Bei besonders schwierigen Formen können auch angstlösende Medikamente wie Antidepressiva hilfreich sein. Wichtig für die Heilung ist es, mit der Behandlung so früh wie möglich zu beginnen.

Entspannungsübungen können Angststörung vorbeugen

„Bemerken Menschen erste Stresssymptome an sich, ist es hilfreich, ausreichend Entspannung sowie positive auch körperliche Aktivitäten in den Alltag einzubauen – das ist angstlösend. Auch die Wirkung von gezielten Entspannungsübungen sollte nicht unterschätzt werden“, rät Prof. Deister. Erfolgversprechende Verfahren sind etwa autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder das Erlernen von Achtsamkeit.

Quelle: Neurologen und Psychiater im Netz

| Von: Leonard Olberts Bildrechte:SHYPULIA TATSIANA/Shutterstock.com

Hilfe bei nächtlichen Wadenkrämpfen

Von Dehngymnastik bis Medikamente

Sie kommen ohne jede Vorwarnung und schmerzen höllisch: nächtliche Wadenkrämpfe. Treten Sie häufig auf, beeinflussen sie zudem erheblich die Schlaf- und Lebensqualität. Doch was lässt sich dagegen tun?

Sturm im Wadenmuskel

Ursache der nächtlichen Wadenkrämpfe, sind spontane Aktionen in den Nervenbahnen. Diese lösen eine Art Erregungssturm im Muskel aus und führen dazu, dass sich der Muskel vorübergehend verkrampft. Warum die Nerven plötzlich verrücktspielen, ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutet werden Flüssigkeitsmangel oder ein schädigender Einfluss auf die Nervenhaut, zum Beispiel durch Alkohol oder Vitamin-B-Mangel.

Auch Medikamente wie Lithium, Diuretika, Statine und Kalziumantagonisten können Wadenkrämpfe auslösen. Manchmal führen ungünstige Fußhaltungen dazu: Werden die Zehen in Spitzfußstellung nach unten gesenkt, (z. B. durch eine schwere Bettdecke) kommt es ebenfalls leichter zu Wadenkrämpfen. In manchen Fällen stecken hinter den Krämpfen auch eine Nervenerkrankung oder Schilddrüsenstörung.

Dehngymnastik und Füßewippen

Wer von nächtlichen Wadenkrämpfen betroffen ist, interessiert sich vor allem dafür, diese wieder zum Verschwinden zu bringen. In der Akutsituation hilft aktives oder passives Dehnen der Muskulatur. Manchmal nützt es auch, herumzugehen oder sich mit autogenem Training zu entspannen. Denjenigen, die immer wieder von Wadenkrämpfen heimgesucht werden, sollen folgende Vorbeugemaßnahmen helfen:

  • Regelmäßige passive Dehnübungen der Wadenmuskulatur, z. B. dreiminütiges Dehnen der Waden- und Oberschenkelmuskulatur vor dem Schlafengehen.
  • Häufige Aktivierung der Füße und Waden tagsüber, z. B. durch Wippen, Strecken und Dehnen der Füße während der Schreibtischarbeit oder vor dem Fernseher.
  • Schlafen mit einem Kissen unter den Knien, Vermeiden der Bauchlage, um nicht in Spitzfußstellung zu schlafen.
  • Ausreichend trinken, Alkohol reduzieren.
  • Prüfung der Medikation durch den Arzt und eventuelles Ab- oder Umsetzen von Präparaten, die Wadenkrämpfe auslösen können.

Magnesium und Chinin

Reichen oben genannte Maßnahmen nicht aus, können Medikamente helfen. Vor allem Magnesium wird bei Wadenkrämpfen gern empfohlen. Es fehlen zwar wissenschaftliche Belege für eine Wirksamkeit, ein Versuch lohnt sich aber trotzdem, sagt der Neurologe und Seniorprofessor der Uniklinik Essen Hans-Christoph Diener.

Nachgewiesen ist die Wirkung für das Medikament Chinin. Aufgrund möglicher und z. T. schwerer Nebenwirkungen ist es seit 2015 rezeptpflichtig und wird bisher nur empfohlen, wenn alle anderen Therapieverfahren ausgeschöpft sind. Im Moment gibt es unter den Forschern Forderungen, das Präparat wieder häufiger einzusetzen, da es von Patienten einer aktuellen Studie besser vertragen wurde als erwartet.

Quelle: idw 

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Suwit Rattiwan/Shutterstock.com

Frische Luft beruhigt Demenzkranke

Besser als Medikamente

Wenn demente Patienten aufgebracht oder aggressiv werden, versucht man meist, sie mit Medikamenten zu beruhigen. Doch besser wirken Aktivitäten im Freien, Massagen und Musiktherapie, wie eine kanadische Metaanalyse zeigt.

Demenz macht reizbar und aggressiv

Demente Patienten leiden oft nicht nur unter Vergesslichkeit und Beeinträchtigung des Denkvermögens. Häufig gesellen sich noch Depressionen, verminderte und verarmte Affekte oder ängstliches und misstrauisches Verhalten dazu. Bis zu 10 % der Demenzpatienten sind auf Grund ihrer Erkrankung auch besonders schnell erregt und aggressiv. Das macht den Umgang für Familienangehörige und Pflegepersonal nicht nur schwierig, sondern manchmal auch gefährlich.

Massage besser als Medikamente

Um die erregten und aggressiven Patienten zu beruhigen verordnen Ärzte oft Antipsychotika. Eine groß angelegte kanadischen Meta-Analyse von 163 Studien mit über 23 000 Demenzkranken zeigt nun aber: Zur Behandlung aufgebrachter Demenzpatienten gibt es Besseres als Medikamente.

Die Forscher von der Universität Toronto analysierten, wie effektiv verschiedene Verfahren gegen körperliche oder verbale Aggressionen von Dementen waren. Es stellte sich heraus, dass Aktivitäten im Freien, kombinierte Musik- und Massagetherapie oder eine alleinige Massage aggressive Demenzkranke besser beruhigten als Antipsychotika.

Eine Frage der Ressourcen

Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig nicht-medikamentöse Verfahren im Umgang mit aggressiven Demenzpatienten sind. Auch die Leitlinien empfehlen bei Aggression und starker Erregtheit nicht-medikamentöse Strategien vor der Gabe von Antipsychotika. Die Realität sieht in Zeiten von Pflegekräftemangel, begrenzten Ressourcen und oft überforderten Angehörigen meist anders aus. Problematisch ist dabei nicht nur, dass die Medikamente weniger gut wirken, betonen die Studienautoren. Denn Antipsychotika erhöhen das Sturz- und Frakturrisiko und gefährden demente Patienten dadurch noch zusätzlich.

Quelle: Ärztezeitung

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Wenn das Herz aus dem Takt gerät

Sind Herzrhythmusstörungen ernst?

Unser Herz schlägt fast durchgehend im Gleichtakt. Umso beunruhigender, wenn es doch mal stolpert oder kurz aussetzt. Sind solche Herzrhythmusstörungen harmlos oder ein Fall für den Arzt?

Herzrhythmusstörungen wie Extrasystolen: meist harmlose Herzstolperer

Bei ausgeprägtem Lampenfieber rutscht das Herz in die Hose. Und wer sich heftig erschreckt, dem bleibt im übertragenen Sinn das Herz stehen. In solchen Stress-Situationen, hält der Herzschlag sich nicht immer an den gewohnten Rhythmus. Das ist auch der Fall, wenn Kaffee, Alkohol oder Drogen eine Rolle spielen. „Fast immer sind solche Herzrhythmusstörungen harmlos“, versichert Dr. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Kommen sie gehäuft vor, könnte das aber auf eine ernstzunehmende Herzerkrankung hinweisen.
Gelegentlich schleichen sich zusätzliche Schläge – sogenannte Extrasystolen – in die Schlagfrequenz ein, die wir als „Herzstolpern“ wahrnehmen. Daran anschließen kann sich ein kurzer Aussetzer, wenn sich das Pumporgan zum Ausgleich eine Erholungspause gönnt. Verursacht sind Extrasystolen etwa durch Kaliummangel, verschiedene Medikamente oder eine Schilddrüsenüberfunktion – meist aber schlicht durch Aufregung.

Beunruhigendes Herzrasen bei Vorhofflimmern

Beim Vorhofflimmern (nicht zu verwechseln mit dem lebensbedrohlichen Kammerflimmern) kommt es unvermittelt zu arrhythmischem Herzrasen – der Puls steigt dabei auf bis zu 160 Schläge pro Minute. Häufig tritt Vorhofflimmern im Rahmen einer Herzerkrankung auf. Um in chronischen Fällen die Pumpleistung dauerhaft zu verbessern und Schlaganfall und Herzinfarkt vorzubeugen, geben Kardiologen gerinnungshemmende Medikamente.

Im hohen Alter sinkt die Schlagfrequenz häufig

Eine typische Rhythmusstörung im hohen Alter ist der sogenannte AV-Block. Dabei schlägt das Herz nur noch sehr langsam und setzt zeitweise sogar ganz aus. „Betroffene werden plötzlich unsicher, müssen sich festhalten, manche werden auch kurz ohnmächtig“, beschreibt Meinertz. Ob Handlungsbedarf besteht, finden Kardiologen mit einem Langzeit-EKG heraus. Der nächste Schritt bestünde dann in einer Herzschrittmacher-Implantation.

Quelle: Internisten im Netz

| Von: Leonard Olberts Bildrechte:megaflopp/Shutterstock.com

Inhalieren – aber richtig

Die wichtigste Dos and Don´ts

Bei Erkältungen greifen viele zum Inhalationsgerät. Das Einatmen von warmem Dampf löst Husten, macht die Nase frei und befeuchtet die Schleimhäute. Lesen Sie, worin sich die einzelnen Methoden unterscheiden und worauf Sie achten müssen.

Die richtige Methode wählen

Eine Inhalation bei Erkältungen ist wohltuend und lässt sich auch zuhause ganz einfach durchführen. Der aufsteigende Dampf befeuchtet dabei die Schleimhäute und hilft, hartnäckigen Schleim loszuwerden. Wer sich für die Dampfbad-Methode entscheidet, benötigt lediglich eine große, standfeste Schüssel mit kochendem Wasser. Inhaliert wird, indem man sich über Schüssel beugt, ein Handtuch über den Kopf legt, um die Dämpfe „einzufangen“, und tief einatmet. Die Schüssel-Methode birgt allerdings einige Risiken: Ein Sicherheitsabstand von mindestens 20 cm ist nötig, um sich nicht am aufsteigendem Dampf zu verbrennen. Besondere Vorsicht ist bei kleinen Kindern geboten. Da sie die Schüssel umstoßen und sich schwere Verbrühungen zuziehen können, sollten sie nur auf dem Schoss eines Erwachsenen inhalieren.

Besser eignen sich daher Dampfinhalatoren aus der Apotheke, die zwar etwas teurer sind als die Schüsselvariante, dafür aber effizienter, wärmeisoliert und auslaufsicher. Dampfinhalatoren funktionieren ähnlich wie das Dampfbad, verfügen allerdings zusätzlich über einen Kunststoff-Aufsatz. Dieser überdeckt Mund sowie Nase und schützt so die Augen vor dem aufsteigenden Dampf.

Zusatz von ätherischen Ölen, Salz und Medikamenten sinnvoll?

Natürlich ist es auch möglich, dem kochenden Wasser – je nach Beschwerdebild – verschiedene, ätherische Öle oder Pflanzenextrakte hinzufügen. Kamille als Tee oder Konzentrat wirkt entzündungshemmend und eignet sich damit bei leichten Entzündungen. Ätherische Öle wie z. B. Eukalyptus- oder Fichtennadelöl, helfen, Schleim aus den oberen Atemwegen zu lösen. Allerdings enthalten diese Substanzen Stoffe, die die Augen reizen, und sollten besser nur in Dampfinhalatoren verwendet werden. Bei Asthma und Allergien sind ätherische Öle ungeeignet, da diese einen Asthmaanfall bzw. eine allergische Reaktion auslösen können. Auch bei Säuglingen und Kindern ist Vorsicht geboten, da bestimmte Bestandteile der Öle Atemnot verursachen können.

Anders sieht es beim Zusatz von Salz aus. Dieses löst sich zwar in Wasser, verdampft jedoch nicht, sondern bleibt in der Schüssel bzw. im Dampfinhalator. Dieser Zusatz macht –ebenso wie der Zusatz von Medikamenten – nur bei einem elektrischen Inhaliergerät Sinn.

Zwei- bis dreimal am Tag etwa fünf bis zehn Minuten inhalieren

Besonders gut wirken die Dämpfe, wenn mehrmals täglich inhaliert wird: bei einer Erkältung etwa zwei- bis dreimal am Tag für etwa fünf bis zehn Minuten. Eine langsame Atmung ist wichtig, weil sonst Schwindelanfälle auftreten können. Insbesondere beim Dampfbad ist es ratsam, ab und zu eine kleine Pause einzulegen und das Handtuch zu lüften. Senioren sollten zudem nach dem Inhalieren pausieren, um den Kreislauf nicht zu sehr zu belasten. Aus diesem Grund sollten auch Menschen mit einem sehr niedrigen Blutdruck, Kreislaufstörungen sowie Augenleiden oder entzündlichen Hauterkrankungen besser auf das Inhalieren verzichten.

Quellen: HNO Ärzte im Netz und Pharamzeutische Zeitung

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Fieber im Kindesalter

Wann sollten Eltern handeln?

Erkrankungen gehen bei Kindern besonders häufig mit Fieber einher. Zwar handelt es sich dabei um eine sinnvolle Schutzreaktion des Körpers – in manchen Fällen sollten Eltern jedoch umgehend reagieren.

Fieber senken nicht immer sinnvoll

Das Dreitagefieber ist eine typische Kinderkrankheit, deren Name den fieberhaften Verlauf schon andeutet. Auch andere Krankheiten, zum Beispiel die akute Mittelohrentzündung, sind bei kleineren Kindern oft von Fieber begleitet – schließlich ist ihr Immunsystem noch nicht voll entwickelt.
Die Apothekerin Heidi Günther erklärt: „Fieber ist ein typisches Symptom dafür, dass der Körper gegen Krankheitserreger ankämpft. Es handelt sich also nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern ist ein Zeichen für eine gesunde Körperreaktion, um eingedrungene Viren oder Bakterien zu beseitigen. Ein ansonsten gesunder Körper sollte daher auch mal fiebern dürfen.“ Fiebersenkende Maßnahmen richten sich laut Günther nicht gegen die Ursache der Krankheit und verkürzen auch nicht ihren Verlauf. „Ich rate den Eltern, das Kind lieber sorgfältig zu beobachten und auf seine Bedürfnisse einzugehen.“

Das Immunsystem des Kindes unterstützen

Bei Krankheiten, die von Fieber begleitet werden, helfen Kindern vor allem zwei Maßnahmen: ausreichend trinken und im Bett bleiben. Daneben empfiehlt Günther: „Eltern können ihrem fiebernden Kind helfen, indem sie, je nach Phase, Wärme zuführen, beispielsweise über Decken, Wärmekissen und warmen Tee, oder den Körper bei seinen Bemühungen um Abkühlung unterstützen. Dies kann über eine kühle Raumtemperatur, Wadenwickel oder Waschungen geschehen.“

Wann Eltern einen Arzt aufsuchen sollten

Bei ernsten Symptomen sollten Eltern mit kleinen Kindern umgehend einen Arzt aufsuchen. Dazu gehören:

  • Durchfall oder Erbrechen
  • starke Hals- und Ohrenschmerzen, Nackensteife oder trockener Husten
  • Fieber über 40 Grad
  • Fieber, das trotz Antibiotika-Therapie länger als drei Tage anhält.

Quelle: Barmer

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Arme Menschen sterben früher

Auch in Deutschland

Wer arm ist, stirbt früher. Das gilt nach einer Untersuchung des Max Planck Instituts vor allem für Männer. Einen ähnlich hohen Einfluss auf das Sterberisiko hat noch ein anderer Faktor: Die Arbeitslosigkeit.

Daten von 27 Millionen Arbeitnehmern geprüft

Das sogenannte Sterberisiko steht für die Wahrscheinlichkeit zu versterben – und zwar unabhängig vom Alter. Ob Einkommen, Bildung und Beschäftigungsstatus einen Einfluss auf dieses Sterberisiko der Bevölkerung haben, wurde nun von Wissenschaftlern des Max Planck Instituts für demografische Forschung (MPIDR) in einer groß angelegten Analyse untersucht. Sie nutzten dazu anonymisierte Rentenversicherungsdaten von 27 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aller Rentenversicherer in Deutschland, die im Jahr 2013 zwischen 30 und 59 Jahre alt waren.

Wichtigster Einfluss ist das Einkommen

Größten Einfluss auf die altersunabhängige Wahrscheinlichkeit zu versterben hatte das Einkommen. Das galt vor allem für Männer: Die Sterblichkeit des am schlechtesten verdienenden Fünftel lag um 150% über dem des am besten verdienenden Fünftel. Arbeitslosigkeit wiederum verdoppelt das Sterberisiko der Männer, schlechte Bildung erhöht es um etwa 30%. Bei Frauen wiegen Bildungsmangel und Arbeitslosigkeit ähnlich schwer wie bei den Männern, das Einkommen beeinflusst das weibliche Sterberisiko jedoch weniger als das männliche.

Medizinische Infrastruktur kaum Bedeutung

Warum Arbeitslose, Arme und weniger Gebildete früher sterben, bleibt ungeklärt. Da sich Menschen mit geringem Einkommen und Arbeitslose häufig ungesund ernähren und öfter rauchen, könnte dies ein entscheidender Faktor sein. Kaum einen Einfluss auf das Sterberisiko haben dagegen Wohnregion und medizinische Infrastruktur, betont Pavel Grigoriev vom MPIDR. Dass die Sterblichkeit von Männern im Osten insgesamt höher ist, liegt vor allem daran, dass es dort einen höheren Anteil an Arbeitslosen, weniger Gebildeten und Menschen mit geringem Einkommen gibt: 14 % der Ost-Männer gehören zur untersten Einkommens- und Bildungsschicht, bei den West-Männern dagegen nur 11%.

Ost-Männer besonders benachteiligt

Irgendeine Art West-Bonus scheint es beim Sterberisiko jedoch trotzdem zu geben. Im Osten haben die Männer der untersten Einkommens- und Bildungsschicht im Vergleich zur obersten Schicht ein achtfach erhöhtes Sterberisiko. Im Westen sind die Männer der untersten Einkommens- und Bildungsschicht etwas weniger benachteiligt: Ihr Sterberisiko ist im Vergleich zu den Best-Verdienern und Besser-Gebildeten nur um das Fünffache erhöht.

Quelle: MPIDR

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Gemüse lindert Depressionen

Bei Studenten untersucht

Gesunde Ernährung schützt nicht nur Herz und Gefäße – möglicherweise lindert sie auch Depressionen. Hinweise darauf zeigt eine australische Studie mit depressiven Studenten.

76 Depressive im Test

Depressive Menschen ernähren sich häufig ungesund. Doch was dabei Henne und was Ei ist, bleibt unklar. Macht das ungesunde Essen depressiv? Oder führt eine Depression dazu, vermehrt bei zuckerreichen und fetthaltigen Nahrungsmitteln zuzuschlagen? Um den Einfluss von Ernährung auf Depressionen zu ermitteln, haben australische Forscher eine Untersuchung an 76 depressiven Studenten gestartet.

Motivation per Video und Einkaufsgutschein

Dazu bestimmten sie den Grad der Depression der Studenten (mittelschwer oder schwer) und teilten die jungen Leute dann per Zufall in eine von zwei Gruppen ein. Der Diät-Gruppe wurde ein 13-minütiges Video mit Ratschlägen einer Diätassistentin gezeigt, außerdem erhielten die Teilnehmer einen Korb mit gesunden Lebensmitteln und einen 60-Dollar-Einkaufsgutschein. Die Kontrollgruppe bekam weder Instruktionen noch Lebensmittel, sondern wurde lediglich aufgefordert, 3 Wochen später ebenfalls zur Kontrolluntersuchung zu erscheinen.

Stimmung deutlich aufgehellt

Bei dieser Kontrolluntersuchung berichteten die Diätler, sich immer noch gesund zu ernähren. Ihr Lohn war eine signifikant verbesserte Stimmung, die sich auch objektiv bestätigen ließ: In der psychologischen Untersuchung der depressiven Symptome waren diese deutlich abgemildert. Bei der Kontrollgruppe hatte sich dagegen stimmungsmäßig nichts getan, die Schwere ihrer Depressionssymptome war unverändert.

Auch längerfristig zeigte sich ein positiver Einfluss gesunder Ernährung auf depressive Beschwerden. Bei einer weiteren Kontrolluntersuchung 3 Monate später hatten diejenigen aus der Diät-Gruppe, die sich immer noch strikt an die vorgeschriebene gesunde Ernährung hielten, weiterhin keine nennenswerten depressiven Beschwerden mehr.

Diese Studie ist ein Hinweis darauf, dass eine gesunde Ernährung depressive Beschwerden junger Menschen positiv beeinflussen kann. Offen bleibt jedoch, ob sich die Ergebnisse in anderen Untersuchungen bestätigen lassen und ob und wie sehr eine gesunde Ernährung Depressionen insgesamt beeinflusst.

Quelle: Ärzteblatt, Originalstudie in PLOS

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Tabletten schlucken leicht gemacht

Tipps zur Medikamenten-Einnahme

Bei einigen Medikamenten führt kein Weg dran vorbei, sie in Form von – teils recht großen – Tabletten zu sich zu nehmen. Das fällt nicht jedem leicht. Tipps, wie es mit dem Hinunterschlucken klappt.

Am besten schon vor der Tabletten-Einnahme etwas trinken

Manche müssen von ihnen würgen, bei anderen löst schon der Gedanke an die Einnahme eine Schlucksperre aus: Tabletten sind nicht bei jedermann beliebt. Gerade ältere Menschen, die häufig gleich mehrere Pillen täglich einnehmen müssen, haben mit Schluckbeschwerden zu kämpfen. Wenn möglich, sollten sie auf alternative Einnahmeformen zurückgreifen: Oft ist ein Wirkstoff auch erhältlich in Form von Tropfen, Saft oder Schmelztabletten, die direkt auf der Zunge zergehen.
Um das Tablettenschlucken zu erleichtern, sollte man nicht nur während, sondern bereits vor der Einnahme etwas trinken. Das befeuchtet die Mundschleimhaut und lässt die Tablette leichter gleiten. Zum Hinunterschlucken empfehlen sich mindestens 200 Milliliter Flüssigkeit, damit kein Wirkstoff am Rachen oder an der Speiseröhre kleben bleibt. Am geeignetsten ist Wasser, da Getränke wie Kaffee, Saft oder Milch die Wirksamkeit des Präparats beeinflussen können.

Tabletten nur zerteilen, wenn die Packungsbeilage es erlaubt

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Tabletten zusammen mit leicht zu schluckenden Lebensmitteln wie zerkautem Brot oder einer zerdrückten Banane einzunehmen. Allerdings vertragen sich manche Arzneimittel nicht mit bestimmten Lebensmitteln. Wer sich unsicher ist, sollte vorher bei seinem Arzt oder Apotheker nachfragen. Das gilt auch für das Zerteilen von Tabletten. Heidi Günther, Apothekerin bei der Barmer, erklärt: „Man sollte Tabletten nur teilen, wenn dies ausdrücklich in der Packungsbeilage erlaubt ist. Ist das Präparat dafür gar nicht vorgesehen, kann unter Umständen die Wirkung verloren gehen oder im Gegenteil sogar mehr Wirkstoff in den Körper gelangen als im vollständigen Zustand.“

Quelle: Barmer

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Wie Wunden schnell heilen

Welche Wundauflage eignet sich?

Ein Schnitt in den Finger oder ein aufgeschürftes Knie – was schnell passiert ist, braucht meist lange, um wieder zu heilen. Wundauflagen helfen, den Heilungsprozess zu unterstützen – doch welche ist die richtige?

Die Heilungsphase entscheidet

Kleine Kratzer heilen meist von selbst. Bei größeren Wunden macht es aber durchaus Sinn, bei der Heilung etwas nachzuhelfen. Bei der Wahl der richtigen Wundauflage ist weniger entscheidend, welche Art von Verletzung vorliegt. Wichtiger ist es, das richtige Produkt für die jeweilige Heilungsphase auszuwählen:

  • Phase 1 (Exsudationsphase): Dass bei Verletzungen Blut fließt, hat durchaus seinen Sinn. Das Blut aus den verletzten Gefäßen wäscht kleine Fremdkörper und Keime aus der Wunde. “Trocknet“, also gerinnt das Blut schließlich, verschließt es die Wunde wie ein provisorisches Pflaster. Jetzt bildet sich allerdings auch vermehrt Wundflüssigkeit. Wird diese durch eine falsche Wundauflage gestaut, weicht das Gewebe auf und Bakterien sammeln sich leichter an. Deshalb sollte im Fall einer stark nässenden Wunde eine saugfähige Wundauflage gewählt werden.
  • Phase 2 (Granulationsphase): Nun wandern Bindegewebszellen und Blutgefäße in die Wunde ein und füllen sie mit dem sog. Granulationsgewebe auf. Dafür benötigt die Wunde viel Ruhe und idealerweise ein feuchtes Milieu. Feuchte Wundauflagen unterstützen jetzt optimal die Wundheilung. Auf zu häufige Verbandswechsel sollte verzichtet werden, um das neue Gewebe nicht zu schädigen.
  • Phase 3 (Epithelisierungsphase): Zuletzt bildet sich eine neue Hautschicht über der Wunde. Dieser Vorgang wird ebenfalls durch eine feuchte Wundauflage optimal gefördert. Parallel beginnt der Umbau des gefäßreichen Granulationsgewebes zum Narbengewebe. Dies kann Monate bis Jahre beanspruchen. Nimmt die Zahl der Gefäße langsam ab, verblasst auch die rötliche Färbung der Narbe. Narbencremes unterstützen die Heilung und beugen die Bildung von überschüssigem Narbengewebe vor.

Wann zum Arzt?

Einfache kleine Wunden können selbst behandelt werden. In der Apotheke gibt es dafür die passenden Wundauflagen und eine Beratung zu Fragen zur Wundversorgung. Handelt es sich um größere oder spezielle Wunden, sollte aber ein Arzt um Rat gefragt werden, also beispielsweise, wenn die Wunde:

  • andauernd blutet, pulsiert, sehr tief oder groß ist
  • durch starke Verbrennungen oder eine Bissverletzung verursacht wurde
  • Zeichen einer Infektion zeigt
  • Störungen der Sensibilität oder Motorik verursacht
  • sich über einem Gelenk, im Gesicht oder an den Geschlechtsteilen befindet.

Quelle: PTA heute, Praxiswissen für die Apotheke (17/2019)

| Von: Dr. Rita Wenczel Bildrechte:Anna Nass/Shutterstock.com